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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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ZUR EINFÜHRUNG.

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reichen Lebens in materieller Beziehung erfreulicher als bisher. Trotjdem daß er inGefchäftsverbindung mit dem Dr. Humery, der in den Dienßen des Gegners des fteg-reichen Erzbifchofs Adolf von Naffau, des Grafen Diethervon Yfenburg, geßanden hatte,getreten war, erwies ihm der Sieger feine Gunß. Denn am 18. Januar 1465 nahm erGutenberg in einem vonEltville aus datirten Decretewegen feiner annemigen und willigenDienß unter fein Hofgeftnde auf, fetjte ihn in den freien Bezug der Hofkleidung, vonzwanzig Malter Korn und zwei Fuder Wein. Diefelben dürfe er aber nicht verkaufen undver(chenken, eine Beftimmung, die Gutenberg nicht, wie man wohl gemeint hat, gegendie Befchlagnahme derfelben von Seiten feiner Gläubiger fchütjen, fondern nur feineperfonliche Steuerfreiheit in Mainz , ebenfo wie feine Befreiung von allen Bürgerdienftenund Schalungen zum Ausdrude bringen follte. Aus der Formelhaftigkeit aller derartigenfürftlichen Erlaffe erklärt es fich auch, daß in diefen nicht von den fpeciellen VerdientenGutenbergs, die man hier vermißt hat, fondern ganz allgemein nur von feinen gutenDienften die Rede ift. Vielleicht war der Kurfürft, der in Eltville , auf der rechten Seitedes Rheins gelegen, oft refidirte, hier erft genauer mit Gutenberg bekannt geworden.Denn die Familie Gutenberg ftand fchon längt in Beziehungen zu diefem Städtchen.Hatte fein Bruder Friele doch hier fich aufgehalten, und war er mit den hier anfäffigenBrüdern Heinrich und Nicolaus Bechtermünze verwandt und in gefchäftlicherVerbindung.Diefe beiden unterwies er auch noch in Eltville in der von ihm erfundenen Kunt, und fiehaben dann verfchiedene Schriften mit der Katholikontype im Drude erßheinen laffen.

Gutenberg ift aller Wahrfcheinlichkeit nach in Mainz und zwar Ende 1467 oder Anfangs1468 getorben. Daß er in feinem hohen Alter erblindet gewefen fei, erzählt der Humani tWimpheling . Nach einer guten Tradition ift er in der Franziskanerkirche feiner Vaterßadtbeigefetjt worden. Diefe feine Ruheßätte ift längft von der Erde verßhwunden, und feineGebeine find vermodert. Wenn es aber Namen unter den Menfchen giebt, die nimmervergehen werden, fo wird ftets der Johann Gutenbergs aus Mainz unter ihnen genanntwerden. OTTO hartwig.

A nrnAflrn flp'6n f 11 * 1 we ' t leichter eine Gefchichte der Gutenbergliteratur als eine Bio-

® graphie Gutenbergs fchreiben. Der hervorragende Gutenbergforfcher K. Dziaßkomeinte 1895:Eine eigentliche Biographie Gutenbergs zu fchreiben, bisher nicht unternommen wordenund bei dem geringen dafür vorhandenen Materiale wohl auch dauernd unmöglich. Sammlung bibliotheks-wiffenfchaftlicher Arbeiten 8. Heft. S. 36. Deßhalb haben auch wir uns hier auf eine Sammlung von Arbeiten,welche Beiträge zu feinem Leben und feinem Werke bringen, befchränken zu follen geglaubt. Ich bemerkenoch, daß diefer Auffaß fertig gegellt worden, ehe die nachfolgenden Auffäße mir zugegangen waren, unddaß aus ihnen im Texte und in den Anmerkungen nur hie und da Einzelnes nachgetragen.

2. Hegel, Chroniken von Mainz II. 2. S. 83. Anm. 3 u. S. 194.

3. Boos, Gefchichte der rheinifdien Städtekultur. II. 417.

4. G. Schmoller, Straßburg zur Zeit der Zunftkämpfe etc. (Quellen und Forfchungen etc. Heft XI) S. 71 hatdie Erfindung der Buchdruckerei mit der ßch allgemein verbreitenden Schreibekunß in direkte Ver-bindung gebracht,ähnlich wie der Auffchwung der Weberei im 18. Jahrhundert zur Erfindung derSpinnmafchinen nöthigte, weil die Handfpinnerei derfelben nicht mehr folgen konnte.

5. M. Jähns, Gefchichte des Kxiegswefens in Deutfchland I. 291. (Hierauf hat mich mein Freund WilhelmMeyer aus Speyer hingewiefen.)

6. Nach einer Notiz, die ßch in den Akten des Darmßädter Archivs findet.

7. Nach Freiherrn G. Schenk zu Schweinsberg, dem ich überhaupt die neuen Nachrichten verdanke.