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K. SCHORBACH
Stadtrechnungsbuch von 1436 gemacht habe. Die Stadt Mainz zahlte thatfachlich vonden „verfeflenen“ d. h. rückftändigen Zinfen nach (vgl. Nr. VIII).
Man hat aus dem Verzicht Gutenbergs auf die anfehnliche Summe von 310 Goldgulden(rund 2400 Mark) gefchloffen, dag er fich damals (1434) in leidlich guten Verhältniffen be-funden habe. Aber feine eigenen Worte in obiger Urkunde fprechen von „berlichernot-durft.“ Seine pecuniäre Lage wäre beffer zu beurtheilen, wenn wir wügten, was ihm1433 aus der Hinterlaffenfchaft feiner Mutter zugefallen i[t (vgl. Nr. V). Von einer Rente,welche Gutenberg am 30. Mai 1434 von feinem Bruder Friele Theilung halber zugeßandenwurde, hören wir in der folgenden Urkunde.
Nr. VII Johann Gutenberg trifft mit der Stadt Mainz ein Uebereinkommen wegeneiner von seinem Bruder Friele ihm überlassenen Leibrente. 30. Mai 1434.
Item ifl man oberkommen mit Hengin Gudenberg, Frielen Genffefleifche feligenfone, als von der xiiij. gülden wegin, die da ßent off Frielen, finen bruder, wonhafftigzu Eltuil, die dann dem obgenanten Hengin zu deylunge worden fint. Alfo das mandemfelben Hengin Gudenberg nu forter alle jare, fo lange er lebet, xij. güldengeben fall, die halb fallen follent off Katherine, vnd halber Vrbani.
Actum dominica proxima poft Vrbani anno etc. xxxiiij. (1434).
[Dieser aus dem Schuldbuch der Stadt Mainz von 1429 stammenden Urkunde fügeich zur Ergänzung den von Joannis III, S. 456 mitgetheilten, etwas abweichendemText bei, den er einer anderen Quelle, einem Mainzer Calendarium, entnahm.]
Item, als Hengin Gudenberg, Frielen Genffefleifchen fon, xiiij gülden jerlichergultenvff leptage Frielen, fins bruders, gehabt hat, dowill er nu forter alle jare fin leptagevß nit me nemen, dan zwolff gülden an golde, vnd darüber hat er eynen nuwen brieffe,der ime zußet, vnd den alten brieffe hat er vbergeben, vnd auch off die obigen zwenegülden genzliche zu dorchtedig 57 off verziegen: vnd feilt yem die gulte halber off fantKatherinen dag, vnd halber off fant Vrbans tag.
Actum off fontag nehjt nach fant Vrbans tag, nach gots gebürte dufentvier hundert vndin dem vier vnd dryffigißem jare. [=30. Mai 1434]. 58
Die Original-Ausfertigung des Vertrages iß nicht erhalten. Das Dokument war (wie Nr. III) im ver-fchollenen Schuldbuch der StadtMainz, einem Manufkript von 1429 überliefert, und zwar auf Seite32. NachSchaab I S. 54 befand (ich der Codex noch 1830 in Frankfurt (vgl. die Notizen zu Nr. III). Auf Grund derhandfchriftlich vorliegenden Mittheilungen von Joh. Ernß von Glauburg wurde der Eintrag des Schuldbuchszuerß veröffentlicht bei Köhler, Ehrenrettung Guttenbergs S. 82 Nr. 16 und danach bei Schaab I S. 45 Nr. 6(vgl. dazu deffen Bemerkungen I S. 53 und II S. 227 Nr. 85), fodann bei Wetter, Erfind, d. Buchdr. S. 38Anm. und v. d. Linde, Gutenberg Urk. IV. Der obige Text nach der Köhler mitgetheilten Abfchrift aus demNachlaße des J. E. v. Glauburgs im Darmßädter Archive, Acten, Adel, v. Glauburg .
Joannis, Script, rer. Mogunt. III S. 456 unter XXIII hat den Eintrag nach anderer Quelle, „ex vetußoquodam Calendario [ive libro Civitatis Moguntinae foenebri olim f. 74“ mit abweichendem Wortlaut mit-getheilt. Nach diefem Text druckte v. d. Linde, Erfindung d. Buchdrudckunft III S. 747 in moderner Faffungab, gab aber als Quelle das Mainzer Schuldbuch an. Vgl. noch A. Bernard, Orig, de l’impr. I S. 118 undHeffels, Gutenberg S. 19 Nr. 5, wo die Literatur weniger forgfältig, als fon[t, notirt iß.
Nach einer Notiz bei M. Vachon, Strasbourg . Les musöes S. XVIII Nr. 2 könnte Mancher glauben, daß diealte Straßburger Bibliothek bis 1870 eine Urkunde von der Hand Gutenbergs befeffen habe, welche ßchauf obige Rentenumfchreibung bezogen hätte. Die Mittheilung Vachons iß aber fo thöricht, daß nur einMißverßändniß vorliegen kann. Solchen Unßnn haben ihm feine Straßburger Gewährsmänner, Prof.Reußner etc., nicht berichtet.