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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE URKUNDLICHEN NACHRICHTEN ÜBER JOHANN GUTENBERG .

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der gezahlten Steuerfumme wird nicht angegeben, die man aber leicht nach der bekanntenGrundtaxe (1 Helbeling für 1 Maaß) beredinen könnte, wenn der Zeitraum bekannt wäre,für welchen gezahlt wurde. Bei der Abrechnung am Donnerßag vor S. Margarethentag(= 9. Juli) 1439 66 blieb Gutenberg 12 Schillinge Pfennige fchuldig, bezahlte fie aber fofortnachuff denfelben tag, wie es im Regiper heißt. Hiermit hatte er die Steuer bisJohannis (24. Juni) 1439 entrichtet, alfo bis zum Schluffe des Rechnungsjahres. Was v. d.Linde, Gutenberg im Regeft zu Urk. VIII über die fchuldig gebliebene Summe fagt,total faljch. Auch die Angabe bei Heffels (a. a. O. S. 61) und Andern, daß Gutenberg erßam24.Juni 1440 nachgezahlt habe, unrichtig, denn vom Jahre 1440 ßeht nichts im Texte.Uff denfelben tag bezieht fichaufden Tag der Abrechnung, alfoden9.Juli 1439, zurück.Gutenberg hatte demnach die übrigens kleine Reßfumme fofort geholt und an demgleichen Tage das Fehlende berichtigt. Ich betone dies deßhalb, weil man aus denfchuldig gebliebenen 12 Schillingen auf die (chlechte pecuniäre Lage Gutenbergs ge-schloffen hat. Aber fein Weinvorrath und der Umßand, daß er fchon wenige Tage nachdem Termin (Johannistag) feine fällige, gewiß nicht unbedeutende Steuer entrichtete,deuten durchaus nicht auf ärmliche Verhältniffe.

In dem Helbelingzollbuch von 144244 werden wir Gutenberg fpäter wiederfinden(vgl. Nr. XIV).

Nr. X* Klage der Strassburger Patrizierin Ennelin zu der Iserin Thiire gegenJohann Gutenberg . 1437.

Durch Schöpflin befitjen wir Aeußerungen über ein jetjt verfchollenes Aktenßück desStraßburger Stadtarchivs, nach welchem im Jahre 1437 Ennelin zu der Iferin Thüre, einEdelfräulein aus einem 1418 im Mannesßamme ausgeftorbenen elfäffifchen Gefchlechte,Johann Gutenberg vor dem geiftlichen Gerichte verklagte, anfcheinend wegen ver-fprochener Ehe. Obwohl wir den Wortlaut diefer urkundlichen Nachricht nicht kennen,müffen wir doch näher darauf eingehen, da fie zahlreiche Zweifel und Angriffe hervor-gerufen hat und Vielen die Veranlaffung wurde, auch andere Angaben Schöpflins überGutenberg zu verdächtigen und abzulehnen.

Die deutlichße Mittheilung Schöpflins über die genannte Klagefache findet ftch in feinenVindiciae typographicae S. 17 und lautet fo:

Gutenbergius a. 1437 coram Judice Eccleßaßico litem habuit cum Anna [Ennelinzu der Iferin Thüre], nobili virgine, cive Argentinenfi, promiffi, ut videtur, matri-monii caufa; cujus exitum charta non docet.

At idem Cataßrum Annam Gutenbergiam idem vectigal [Helbelingzoll],Gutenbergio jam profecto, folventem, nominatim cum exprimat, Gutenbergiiconjugem eam deveniffe conjicimus.

Diefe Angabe Schöpflins enthält 2 urkundliche Nachrichten:

1. den Bericht von einer Streitfache zwifchen Gutenberg und der Jungfrau Ennelinzur I ferin Thüre,

2. den Eintrag einer En ne 1 Gutenberg im Straßburger Helbelingzollbuch.

Hierauf hat dann Schöpflin die von den urkundlichen Nachrichten ßreng zu trennende

Hypoth efe aufgebaut, daß Gutenberg jene Ennelin zur Iferin Thüre geheirathet habe.