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K. SCHORBACH
Genojfe Gutenbergs , Andr. Heilmann, zufammen mit feinem Bruder Nikolaus eine vorden Thoren Straßburgs belegene Papiermühle befaß . 158
Ueberblickt man vorßehende Erörterungen der in den StraßburgerAkten vorkommendentechnijchen Ausdrücke unbefangen und unparteiifch, fo muß man zugeben, daß darauskein ßrikter Beweis zu erbringen iß, Gutenberg habe bereits in Straßburg denTypendrude ausgeübt. Nachdrücklich muß auch betont werden, daß fich nicht die ge-ringße Spur einer praktijehen Verwerthung der „neuen Kunft,“ alfo keine Probe einesDruckerzeugniffes aus der Straßburger Preffe Gutenbergs , nachweifen läßt. DasZufammenhalten aller Momente ergiebt jedoch einen hohen Grad innerer Wahr-fcheinlichkeit, daß feine geheime Thätigkeit in Verfuchen zur Herßellung einesDruckapparates und in primitiven Druckverfuchen befanden habe. Vermuthlich ftand dasverfuchte Drudeverfahren noch auf derfelben unentwickelten Stufe, wie die mechanifcheSchreibkunß, die „ars scribendi artificialiter,“ welche der Prager Silberfchmied ProkopWaldvogel 159 wenige Jahre fpäter (1444) in Avignon lehrte und ausübte (vgl. obenS. 12 f. und 50 ff.). Eine äußere Aehnlichkeit zwifchen den Unternehmungen in Straß-burg und Avignon , die anfeheinend in irgend welchem Zufammenhang ßehen, ift nichtzu verkennen. Gutenberg und Waldvogel betrieben mit Genojfen eine geheime Kunft,die Gewinn verfprach. Zu beiden Induftrien wurden Metall-Formen neben anderenWerkzeugen verwendet. Beide Gefchäfte wurden mit unzureichendem Betriebskapitalunternommen und erzielten deßhalb nicht den erwarteten Erfolg; beide Unternehmungenhinterließen endlich keine Spuren von praktijehen Ergebniffen. Ein bedeutender Unter-jehied beßeht aber zwifchen den beiden ausübenden Meißern. Nicht die leifefte An-deutung findet fich, daß Waldvogel, welcher auch zeitlich fpäter fällt, jene Technik er-fonnen habe, während Gutenberg durchaus als der Erfinder feiner Kunft erjeheintund auch als folcher von feinen Genojfen anerkannt wird.
III. Aus den Straßburger Prozeß-Akten laffen ßch (chließlich noch einige willkommeneAuffchlüjfe über Gutenbergs Perfon und fein Leben und Treiben gewinnen, die immerhineinzelne Charakterzüge hervortreten lajfen. Gutenberg lebte als „Hinterfaß,“ alfo nichtals Bürger Straßburgs , außerhalb der Stadtmauern abgefchloffen in einem der einzelnenHäufer (meiß Herbergen), die in der Nähe des Benediktinerklofters S. Arbogaft erbautwaren, aber nicht im Klofter felbft, wie oft von Unkundigen behauptet wird. Die ganzeVorftadt hieß zu St. Arbogaft; fie lag in der Gegend, wo fich heute dieVorftadt „GrünerBerg“ an der 111 ausdehnt. 160 GutenbergsWeg in die Stadt führte durch dasWeißthurmthorund Zollthor; in das Innere gelangte er auf der Oberftraße (heute Lange Straße).
In feiner Zurückgezogenheit war Gutenberg raftlos mit der Ausübung von Kunfthand-werken — wir kennen das Steinpoliren, die Spiegelfabrikation und die Kunft zu drucken— und fortwährend mit neuen Verfuchen befchäftigt. Seine Fertigkeiten verwerthete ernutjbringend in der Art, daß er Andere gegen Entgelt darin unterrichtete oder ßch mitihnen zur Ausführung beftimmter Induftrien gegen Zahlung einer Eintrittsprämie ver-band. 161 So gewann er Geldmittel und Arbeitskräfte, und die Akten von 1439 zeigen,daß er „ feine Schüler und die zur Herftellung feiner Erfindungen erforderlichen Kapitaliendamals nicht zu fuchen brauchte, fondern ßch von ihnen fuchen ließ.“ 162 Von feinen Ge-fchäftstheilnehmern (cheint der Vogt Hans Riffe ßch auf die Geldleiftungen befchränkt zuhaben, während die beiden Andern auch mitarbeiteten, befonders eifrig Andreas Dritjehn,