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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE URKUNDLICHEN NACHRICHTEN ÜBER JOHANN GUTENBERG .

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Die Aechtheit unferes Aktenßückes fteht außer Zweifel. Heffels kannte dasfelbe nicht,doch er mag es getroß nachprüfen.

Vorftehende Liße der Perfonen, welche Pferde für den öffentlichen Dienß zu [teilenhatten, allerdings ohne Datum, ße läßt ßch aber annähernd fixiren auf 1443/44, wowegen der Einfälle der Armagnaken im Elfaß größere Rüßungen in Straßburg vorge-nommen wurden. Vielleicht ßeht dies Verzeichniß in Zufammenhang mit der neuenStallordnung, welche 1443 in Kraft trat. In dem Helbelingzollbuch von 1442 (vgl. Nr.XIV) fahen wir Gutenberg bereits unter der Rubrik derNach-Conßofler aufgeführt.Auch in unferem Dokument befindet ßch fein Name auf der Lifte der Conßofler und zwarfaß am Ende derfelben, alfo jedenfalls unter den nicht Vollberechtigten. EinrechterConßofler konnte er ja auch als Hinterfaß oder Ausbürger nicht fein.

Daß Gutenberg im ßädtifchen Dienße die Hälfte der Koften für ein Pferd aufzubringenhatte, erlaubt uns einen Schluß auf feine damaligen Vermögens-Verhältnifle. In derStallordnung von 1443 heißt es :

Und der 400 lib. wert gütes hett, der fol der ßatt ziehen l / 2 pfert, 211 welher 800 lib.wert gütes hett, fol 1 ganz pfert ziehen; welher 2000pfunde wert gütes hett, der fol 1 hengßziehen (etc.). Die hsl. Stadtordnungen (im Straßburger Stadtarchiv) enthalten im 13. Bandähnliche Beßimmungen betreffs des Pferdehaltens aus dem Anfang des 15. Jahrhunderts:Item wer do het vierhundert pfunde wert gütes, der fol ziehen ein halp pfert, alfodas ye zwenezüfamen geßoßen werdent und ein pfert ziehentvon zwenzig güldin. Auchfinden ßch darin nähere Verordnungen, wie der Beßtj zuverpferden fei. 212

Die Habe Gutenbergs war demnach in die niedrigfte Klafle von 400800 Pfund Denareneingeßhätjt, einem Vermögen, das auf einen Jahresertrag von ungefähr 12002400 Markheutigen Geldwerthes [chließen läßt. Man erßeht daraus, daß ihm feine Unternehmungenkeine Reichtümer eingebracht haben.

Nr. XVI Aufgebot der waffenfähigen Mannschaft Strassburgs gegen die Armag-naken. Gutenberg steht auf der Liste der Goldschmiede. 22. Jan. 1444. [Tafel 11]*

Die Liße der Goldßhmiede beginnt in der Handfchrift auf Bl. 128 a mit folgenderUeberfchrift:

Item dif ßnt die meifter die golt || fmide

vnd moler vnd fatteler vnd || glafer vnd harnfcher. ||

Gutenbergs Name findet ßch unter denZugefellen, die auf Bl. 129 a Z. 15 ff ver-zeichnet find. (Vgl. unser Facsimile Spalte 2).

Item diffe noch gefriben ßnt || gefellen, die nvit gantj zvnft hant. || ItemHanß Gütenberg || Item Andref Heilman || Item Johanß Roeibel ein friber ||Item Johanß Slimpbecher ein friber || (etc.).

Original imStraßburgerStadtarchivAA 195. Ueber den Inhalt vgl.J.Brücker, Inventairesomm.desarchivescomm. de StrasbourgI S.73. DasPapiermanufkript, indem unferVerzeichniß ßeht,umfaßt201 Bll.(30><11 cm)in Pergamentdecke. Die Zunftlißen rühren von verfchiedenen Schreibern her. Die Datirung findet [Ich aufBl. 1: Actum feria quarta po[i beate Agnetis (=22. Jan.) Anno & xliiij. Gutenbergs Name begegnet aufBl. 129* Zeile 17 (vgl. unfer Facßm). Diefe Notiz wurde von Archivar J. Brücker aufgefunden und am17. Jan. 1882 an v. d. Linde mitgetheilt, welcher darüber in feiner Gefch. d. Erfind, d. Buchdr. III S. 803kurz berichtete. Nach eigener Prüfung des Eintrages druckte ich die Stelle ausführlicher ab (Zeitfchr. fürGefch. des Oberrheins N. F. VII, S. 592). Unfere Tafel giebt zuerß die Ueberfchrift des Verzeichniffes(Bl. 128 a ), dann die Seite mit dem Namen Gutenbergs wieder (Bl. 129).