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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. SCHORBACH

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Die vorflehend mitgetheilten Vermerke in den Rechnungsbüchern des S. Thomas-Stiftes knüpfen direkt an die Urkunde vom 17. Nov. 1442 (vgl. Nr. XIII) an. Es ergiebt(ich aus den Buchungen der Stifts-Schaffner, daß Gutenberg das aufgenommene Darlehenvon 80 Pfund Denaren regelrecht verzinfte. Zum erflen Male hatte er am S. Martinstage1443 zu zahlen. Fürdiefe Zahlung fehlt uns deßhalb der Beleg, weil diejahresrechnung1443/44 nicht mehr vorhanden ifl. Der erfle Nachweis für richtige Erftattung der Zinfenliegt vor für das Rechnungsjahr 1444/45, welches von Johannis (24. Juni) bis Johannis lief.Aus dem Wortlaut des PoftensJoh. Gutenberg dat (oder dedit) 4lib. erhellt, daß zuMartini 1444 gezahlt worden war. Da diefe Vermerke ohne widerfprechende Randbe-merkung des Stiftsrechners bis zum Rechnungsjahr 1457/58 wiederkehren und außerdemin den vorhandenen Verzeichnten der ausgehenden Zinfen Gutenbergs Name indiefem Zeitraum niemals begegnet, fo ift mit Sicherheit anzunehmen, daß er bis S. Martins-tag 1457 pünktlich feinen Verpflichtungen nachkam und die Zinfen entrichtete. Erft vomHerbft 1458 blieben die jährlichen Zahlungen aus. Leider erhält man aus den Regiflernkeine Auskunft darüber, ob die Zahlung des Jahres 1444 noch per fön lieh von Gutenberggeleiflet wurde. Auch über den Vermittler der fpäteren Zinszahlungen nichts vermerkt.

Nicht ohne Bedeutung ift in unferen Rechnungsbüchern aber die Rubrik, unterwelcher Gutenbergs Name jedesmal eingetragen, nämlichThome oderSa ntThoman. Da nämlich in den Stiftsrechnungen von S. Thomas die Einnahmen ausder Stadt nach Kirchenbezirken geordnet find, was bisher überfehen wurde, fo läßt ßchdaraus entnehmen, daß Gutenberg zum Kirchfpiel S. Thomas gehörte, alfo zuletjt inner-halb der Stadt wohnte. 213 Hätte er noch zu St. Arbogaß gewohnt, fo wäre fein Name in derRubrikzinfen in dem lande gebucht, wo ich z. B. denprobeß von fantArbgaß aufge-führt finde. Gutenberg wird demnach, vielleicht fchon 1442, als er das Darlehen vomSt. Thomas-Capitel erhielt, feinen Wohnßt* in der Nähe der Thomas-Kirche gehabthaben. Erinnern wir uns daran, daß das Brechter-Haus in der Schloffergaffe lag, alfoin unmittelbarer Nähe, fo ift es denkbar, daß die nähere Bekanntfchaft Gutenbergs mitMartin Brechter auf Nachbarjchaft beruhte. Das Letztere ift nur eine, wenn auch nahe-liegende Vermuthung, die Annahme jedoch, daß Gutenberg in der lebten Zeit feinesStraßburger Aufenthalts in der Stadt felbß wohnte, keinesfalls abzuweifen. Vielleichthing mit feiner Ueberßedelung auch die doppelte Steuer (für 2 Perfonen) zufammen,welche er feit 1443 zu zahlen verpflichtet war (vgl. Nr. XIV).

M it dem 12. März 1444, wo Gutenberg den Helbelingzoll in Straßburg zum lebtenMale entrichtet hatte, verlieren wir feine Spur auf einige Jahre. Für den Zeitraum144547 fehlt uns jede Nachricht über feinen Aufenthalt.

Wann er Straßburg verließ, unbekannt. Wäre er im Beßtje des dortigenBürgerrechts gewefen, fo könnten wir das Datum feines Wegzugs aus dem Bürgerbuchdiefer Stadt entnehmen. So aber fchweigt diefe Quelle. Möglicher Weife hat Gutenbergbereits im Frühjahr 1444, nachdem er die Steuern am 12. März entrichtet hatte, die StadtStraßburg , deren Schutj er fo lange genoffen, für immer verlaffen. UmdiefelbeZeit(21.März)nämlich gab der Drechsler Safpach, 214 welcher Gutenbergs Preffe konßruirt hatte, feinBürgerrecht auf, um erß im Sommer 1451 wieder in dieHeimath zurückzukehren. SafpachsAbwefenheit von Straßburg könnte ßch, da er gleichzeitig mit Gutenberg verfchwindet,