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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. SCHORBACH

ich will jedoch zum Vergändniß des Folgenden die bisherigen Ergebniffe der Forfchungkurz andeuten.

In dem Fragment des 27zeiligen Mainzer Donatus, den jetjt die Parifer National-bibliothek zu ihren kogbargen Schäden zählt, haben wir vermuthlich einen Ueberreg vonden vorauszufetjenden Erglings-Drucken Gutenbergs, die vor feinen großen Plan desBibeldrucks fallen. Solche Proben mögen Fug bewogen haben, Gutenberg ein größeresKapital zur vollgändigen Einrichtung feiner Offizin und zu umfangreichem Druckerei-betrieb vorzugrecken. Mit diefem Geld begann Gutenberg das Werkin feinen noczund nahm unverzüglich, fobald der urfprüngliche Schriftfchatj vervollkommnet war, diegewiß fchon längß von ihm geplanteRiefenleißung des 36zeiligen Bibeldruckes inAngriff. Aber bald fah er ein, daß die große Miffaltype das Buch zu koßfpielig machenwürde, und gellte beim 5. Blatt den Druck ein, um kleinere Lettern herzugellen unddamit Raumerfparniß zu erzielen. Hierzu bewilligte Fuft weitere Geldmittel und be-theiligte geh darauf an dem Gefchäftsbetrieb als Gefellfchafter. Damit begann nunmehrdas Werkzu beider nocz. Zu diefer Combination (vgl. oben S. 19) ftimmen die Angabendes Helmaspergerfchen Ingruments vollkommen.

Es begeht heutzutage wohl kein Zweifel mehr darüber, daß wir in der 42z eiligen la-teinifchen Bibel das Werk vor uns haben, welches aus der gemein fa men Offizin vonGutenberg -Fug hervorging. Die eindringenden Unterfuchungen Dziatjkos 279 haben diesunabweisliche Refultat geliefert. Mit ausreichenden Mitteln und in einem Zuge wurdedies großartige typographifche Meigerwerk, deffen technifche Leitung felbgvergändlichin Gutenbergs Hand lag, hergegellt und gelangte vermuthlich bereits im Jahre 1455 zurVollendung (das Parifer Exemplar ig 1456 rubricirt).

Aber fchon während der Arbeit an diefem Druck muß der Conflict zwifchen den beidenPartnern entganden fein. Ueber dieUrfachen desZwiges find wir nicht unterrichtet, abernaheliegende Vermuthungen bieten geh hinreichend dar. Gewiß fpielte die Geldange-legenheit dabei die Hauptrolle. Aber auch Nebenumgände kommen in Betracht. Sehrwahrfcheinlich gimmten die Charaktere der beiden Gefchäftsgenoffen nicht zufammen.Gutenberg war wohl eine ideal angelegte Natur, der die vollkommenfte Ausführungfeiner Kung ergrebte, Fuft dagegen ein gewinnfüchtiger Unternehmer, dem die erwartetenEinnahmen nicht fchnell genug zufloffen und der mit Hilfe des geriebenen Peter Schöffer fchneller fein Ziel zu erreichen hoffte. Auch politi [che Parteiintereffen können mitgewirkthaben, denn Gutenberg war ein Genoffe der alten Gefchlechter, Fuft jedoch gehörte zuder damals fo mächtigen Volkspartei. Eine begimmte Thatfache fpricht nun dafür, daßder Bruch bereits Ende des Jahres 1454 erfolgt war. Um diefeZeit erfchienen bekanntlichin Mainz 2 verfchiedene Ausgaben eines gedruckten Abi a ß bri efe s, fowohlim Sat} als inden Typen abweichend von einander. Die äußerg [chwierige Frage, wer diefe beiden fürPaulinus Chappe, den Generalprokurator des Königs von Cypern, hergeftellten MainzerAblaßzettel, fowie deren neue Auflagen vom Jahre 1455 gedruckt habe, ift ganz verfchiedenbeantwortet worden. 280 Allgemein angenommen ift jetjt wenigftens die Anficht, daß der31 zeilige Ablaßbrief mit dem Anfang Vniuerfis, welcher als Auszeichnungsfchrift die Typender 36zeiligen Bibel zeigt, die Editio ^princeps ig und von Gutenberg allein gedrucktwurde. Die 30zeilige Ausgabe mit dem Anfang Uniuergs und einer Zierfchrift in denLettern der 42zeiligen Bibel ig offenbar ein Nachdruck und geht in der Ausführung nicht