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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. SCHORBACH

152. Vgl. Centralblatt f. Bibliothekswefen XII. S. 261 ff. Der Ausdruck gilt übrigens nur bis Ende des 15.Jahrh.

153. In einem typographifch hergeßellten Buch i[t der Ausdruckdrucken zuerft 1462-in einem DrudeAlbr. Pfifters in Bamberg (Hain 8749) belegt. Das lat. imprimere kommt fchon früher vor; Gutenberg felbfl bezeichnet feine Kunftübung mit leßterem Wort im Catholicon von 1460.

154.formae können übrigens auch Matrizen bezeichnen, wie aus der Subfkription des Catholicon von1460 gefchloffen werden kann. Audi der Revers des Dr. Humery (vgl. Nr. XXVII) erwähnt aus demnachgelaffenen Druckapparat Gutenbergs neben Buchpaben auchFormen.

155. In dem Straßburger Mentelmythus wird berichtet, daß dem Erfinder der Druckkunft in Straßburg feinGeheimniß durch einen ungetreuen Diener verrathen worden fei. Unredlichkeiten im Haufe desA. Drißehn find durch eine Urkunde von 1441 (Straßb. Stadtarchiv IV, 78) erwiefen. Jerge Drißehnverklagt die Agnes Stoffer, daß fie in der Wohnung feines verdorbenen Bruders viele Edel [leine,baares Geld u. A. entwendet habe. Die Edelfteine betätigen dasftein bollieren, welches AndreasDrißehn bei Gutenberg erlernte. Außer der Stoffer Nefe betheiligte (ich auch Reimbolt aus Ehenheimam Diebftahl. Beide waren, was intereffantifl, Zeugen Jerge Drißehns gegen Gutenberg (vgl. Nr. VunfresTextes der Prozeßakten). Näheres theilte ich Zeitfchr. f. Gefch. des Oberrheins N. F. VII S. 653 f mit.Außerdem verweife ich wegen anderer Veruntreuungen noch auf die folgende Anmerkung. Ueber dieVermuthung, daß Gutenberg fleh feines Geheimniffes beraubt fah unddeßhalb im Jahre 1444 Straßburg verlaffen habe, vergleiche oben S. 12. Es ift übrigens zu betonen, daß das gleiche Sagenelement vomuntreuen Diener, der dem Erfinder der Typographie fein Geheimniß fliehlt, [Ich ebenfo wie in derStraßburger Tradition auch in der Coflerlegende wiederfindet. Die von Joh. Schott, Mentelins Enkel,ausgehende Straßburger Ueberlieferung wird vermuthlich bald auch nach Haarlem gedrungen fein,wo fie Hadrianus Junius für fein Sagengebilde über L. Cofter verwerthete.

156. Das Straßburger Stadtarchiv enthält im Fafc. V, 79 (FF) ein Aktenflück von 2 Bll. über einen Vergleichin Erbfchaftsflreitigkeiten zwifchen den Brüdern Jerge und Klaus Drißehn, den beiden Klägern gegenGutenberg . Das Uebereinkommen gefchah vff mittwuch aller Selen tag 1446. Ich gebe aus dem nochnicht abgedruckten Dokument die Stelle, worin die Brüder gegenfeitig Schadenerfaß für hinterzogeneSachen verlangen. Klaus Drißehn foll u. A. für fehlende Bücher auf kommen, Jerge Drißehn dagegenfoll [ich die Preffe u. A. angeeignet haben. Der betreffende Paffus lautet Bl. 1*> gekürzt fo:

Item als dann Jerge an Claufen gefordert hat, im kerunge zu tun vmb folichen fchaden, fo imfin kellerin noch irs vatter vnd ouch nach Andres, ir bruder feligen, tode geton vnd zugefüget habe anvngeteiltem gut. .. ouch an drifflg vnd ahte halp pfunt pfeningen in barem gelt, darzu an cleinott,husrot, erin hefin, des (Ich dann Claufen kellerin von Andres feligen gut eynig vnderzogen vnd zu irenhanden brohthaben folle, item ein fingerlin, das DürHans haben fol, item an groffen vnd deinenbuchern, dieouchAndresgeloffenhaben fol, vnd dann hundert pfunt pfeninge, die er HansRenner geben habe fünff pfunt gelß zu löfen, die (Bl. 2) fin vatter verfeßet habe vff Hans Giger, vndbegert, das im Claus (In bruder vmb folich ftücke zum halben teil bezalunge vnd vswifunge dete, alser meinet billich were.

Dogegen fo hat Claus Drißehen anjergen finen bruder gefordert, im zu geben den halben teilan allem dem, was fleh dann Jerge vnderzogen habe, das Andres irs bruder feligen gewefen vnd nochvngeteilt fy, nemlich drie guldin ringe, ein filberin kopff, allen harnfeh, der zu Andres libe gehört habe,den fnyßel gezug, diepreffevnd anders, dasdannAndresgeloffenhabe vnd im zumhalben teil zu gehöre.

157. Ich erinnere daran, daß Andreas Drißehn gelernt hatte, Edelßeine zu fchleifen, und daß (ich folche infeiner Hinterlaffenfchaft gefunden haben. Vgl. Anm. 155 u. 156 (cleinot, ringe).

158. Archivar Schneegans gab diefe Mittheilung nach einer Urkunde von 1441 in Lemperß BilderheftenTaf. 2. Vgl. dazu Zeitfchr. f. Gefch. d. Oberrheins N. F. VII S. 645. Die Mühle lag vor dem Weiß-thurmthor, nicht weit vom Klofter St. ArbogafI, in deffen Nähe Gutenberg wohnte.

159. Vgl. Requin, Limprimerie ä Avignon en 1444 (Paris 1890) und dazu Bulletin hist, et philologique 1890S. 288 ff und 328 ff; Requin , Origines de limpr. en France (1891); Duhamel, Les origines de limpr. äAvignon (1890); Steiff, Schwäbifche Kronik 1890 Nr. 271; Wyß, Sybels hiftor. Zeitfchrift 66 S. 521 f;Göbel im Börfenblatt f. d. d. Buchh. 1890 S. 4598 ff; Bibliotheque de löcole des chartes 51 S. 317 f;J. Pinfard im Intermediairedes imprimeurs Sept. 1890 Fövr. 1891; Zeitfchrift fürGefch.d. OberrheinsN. F. VII S. 64654, Allg. Buchhändlerzeitung 1894 Nr. 45, 46, 50 und v. d. Linde, Allg. deutfehe