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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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K. SCHORBACH

Falle könnte er feinem Bruder zu der Gefchäftsverbindung mit Gutenberg zugeredet haben. Jak. Fu[t i(teine aus der Mainzer Stadtgefchichte bekannte Perfönlichkeit. Im Jahre 1449 war er ftädtifcher Rechen-meifler und 1458 Bürgerm elfter, wie aus den Mainzer Rechnungsbüchern 1458/60 hervorgeht (vgl. Archivdes hift.Vereins von Unterfranken XIV S. 172 f). Leßtere Stellung hatte er auch in den Schreckenstagendes Jahres 1462 inne, wo er die Mainzer Bürger gegen die eindringenden Schaaren des Erzbifchofs Adolfführte (vgl. Hegel, Chroniken. Mainz II S. 59 und v. d. Linde, Erfind, d. Buchdr. III S.910 Anm.2). Nachder Speyrer Chronik wurde er bei der Einnahme von Mainz am 28. Okt. fchwer verwundet. Seine Woh-nungFauftenhauß wurde verbrannt (Hegel, Mainz II, S. 54). Er fcheint bald feinenWunden erlegen zufein, denn flcher [tarb er vordem 5. Dez. 1462. Sein natürlicher Sohn Heinrich war bei der Kataßrophegeflüchtet unterMitnahmevonWerthfachen(vgl.Wyß,Quartalbl. des hift.Vereins f.d.Gr.Heffenl879S.24ff).

Von andern Gliedern der Familie Fuft finde ich den Goldfehmied C 1 as F u (t 1444 im Rathe derStadt (Hegel, Mainz II S. 181 Z. 17) und einen Wilhelm Fuft, vicarius ecclefiae majoris et St. Albani,unter den Mitgliedern der S. Viktor-Bruderfchaft (f um 1460/70).

Johann Fuft, der Bruder des Jakob, verdankt feine Berühmtheit feiner Verbindung mit Gutenberg. Was er vor dem Jahr 1450 trieb, weiß man nicht. Wahrfdheinlich aber hat er auch fchon vorher gegen6 Prozent Geld verliehen. Aus dem Helmaspergerfchen Inftrument von 1455 lernen wir ihn genügendkennen. Nach der Trennung von Gutenberg gründete er in Gemeinfchaft mit Peter Schöffer eine felbft-ßändige Offizin, deren erfter Druck das fchöne Pfalterium vom Jahre 1457 war. Seine typographifchenLeiftungen findet man in Panzers Annales typogr., in Hains Repertorium bibliogr. (vgl. die Indices)fowie bei Schaab, Erfind, d. Buchdr. I S. 329 f, v. d. Linde, Gutenberg Anh. S. LXI ff und Proctor, Earlyprinted books in the Brit. Muf. I S. 31 verzeichnet. DasDruckhaus F u ft s ift nicht ficher bekannt.Seine Wohnung lag im Pfarreibezirk von St. Quintin, zu deren Kirchenvorftand er im Jahre 1464 zählte(vgl. Centralbl. für Bibliothekswefen V S. 267).

Das Todesjahr Fufts war 1466. In diefem Jahr machte er eine Gefchäftsreife nach Paris und ftarb dortan der Peft (vgl. Schaab I S. 441 f). Seine Wittwe Grede heirathete um 1468 den Buchhändler KonradHenckis, der zu Mainz im Haufe Ifeneck wohnte (vgl. oben S. 123, ferner Zeitfchr. f. Lübeck. Gefch. IIIS. 600 f fowie Quartalbl. des hift. Vereins für d. Gr. Heffen 1879 S. 18 ff und 1899 Heft 3). Fufts TochterChriftine hatte den Gefchäftsgenoffen ihres Vaters, den Peter Schöffer, wenige Jahre vor dem TodeJohann Fußs geheirathet(ßcher nicht fchon 1453, wie meift angenommen wird). Aus der reichen Literaturüber Fuft verweife ich nur auf Umbreit, Erf. d. Buchdruckerk. S. llOff, v. d. Linde, Allg. deutfeheBiogr. VIII S. 267 ff und Kapp, Gefch. d. d. Buchh. I S. 67ff. Ueber Fuft betreffende Urkunden vgl.v. d. Linde, Gutenberg S. 511.

273. Der Kleriker Peter Girnßheim Joh. Fußs fpäterer Gefchäftsgenoffe Peter Schöffer von Gernsheim. Er war urfprünglich Schönfchreiber (Clerc) in Paris, wo er ßch 1449 noch nachweifen läßt. Eine Probefeiner Schrift fand ßch in einem Codex der alten Straßburger Bibliothek, abgebildet bei Schöpflin,Vindiciae typogr. Tafel VII. Verwandte von ihm waren vielleicht die im Mainzer S. Victorbruderfchafts-buch angeführten Johannes Opilionis praepoßtus in Limpurg und Hermannus Opilionis rector. PeterSchöffer, der bei Gutenberg die Technik des Buchdrucks gelernt haben muß, verband ßch mit deffenConcurrenten Joh. Fuß ca. 1456 und wurde fpäter der Schwiegerfohn Fußs. Von 1467 an (nach Fußs Tode) druckte er auf eigene Rechnung, behielt aber das gemeinfame Signet bei. Sein leßter Druckaus dem Jahre 1502; es war die 2. Auflage des Pfalterium, mit dem er 1457 feine typographifche Lauf-bahn begonnen hatte. Anfang 1503 muß er geftorben fein. Seine Drucke find bei Panzer, Hain, Schaab 1S. 329ff, v. d. Linde, Gutenberg Anh. S. LXI ff und Proctor I S. 31ff aufgezählt, jedoch bei weitem nichtvollßändig. Eine gründliche Monographie über Peter Schöffer wäre eine dankenswerthe bibliographifcheAufgabe. Ueber feine Nachfolger vgl. F. W. E. Roth, Die Mainzer Buchdruckerfamilie Schöffer (Bei-heft 9 zum Centralbl. f. Bibliothekswefen). Das Schöfferfche Druckhaus war wieder der Hof zumHumbrecht (Dreikönigshof) in der Schußergaffe zu Mainz. Von der reichen Literatur nenne ich nurK.Dahl, Peter Schöffer (1814), Umbreit, Erfind, d. Buchdr. S. 118 ff, v. d. Linde, Allg. deutfehe Biogr. XXXIIS.213f und Kapp, Gefch. d. deutfeh. Buchh. I, S. 67ff und verweife weiter auf das Verzeichniß imKatalog der Bibi, des Börfenvereins (1885) S. 270.

Der hinter Peter Girnßheim in unfrer Urkunde als Zeuge genannte Kleriker J oh. Bonne (nichtBorne) nicht weiter bekannt, doch der Name Bonne in Mainz bezeugt. An den fpäter zu PeterSchöffer in Beziehung ßehenden Joh. Fons, einen Franzofen, unter keinen Umßänden zu denken.