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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE URKUNDLICHEN NACHRICHTEN ÜBER JOHANN GUTENBERG .

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Die Angabe bei F. W. E. Roth (Die Druckerei zu Eltville S.4f), der fpätere berühmte Drucker JohannNumeißer fei im Prozeffe von 1455 als Gehilfe aufSeiten Gutenbergs erfchienen, beruht auf einemfatalen Irrtum. Das Helmaspergerfche Notariatsinßrument nennt alsdiner vnd knecht Gutenbergs nur Heinrich Kefer und Bechtolf (Ruppel) von Hanau . Ueber diefe Beiden vergleiche v. d. Linde,Erfind, der Buchdr. III S. 858f und wegen ihrer fpäteren typographifchen Leitungen die Indices zuHains Repert. bibliogr. fowie Allg. deutfche Biogr. XV S.526f u. XXIX S. 705f und Proctor II S. 537f.

274. Auffällig, worauf fchon Wyß, Centralbl. f. Bibi. VII S. 410 hingewiefen hat, daß Gutenberg diefe300 Gulden offenbar nicht auf das gemeinfame Unternehmen bezog. Denn erß nach Aufzählung diefervon Fuß übernommenen Leißungen fagt Gutenberg :wurden ße alsdan furter nit eins, fo folte er ymfin acht hundert gülden widdergeben vnd folten ßne geczuge ledig ßn. Wyß bezieht danach diefe300 Gulden auf das erße Uebereinkommen mit Fuß.

275. Das Wortgeczuge werden wir in Humerys Revers vom Jahre 1468 (Nr. XXVII) direkt in dem SinnevonDruckwerkzeug wiederfinden. Vgl. dazu meine Bemerkungen auf S. 173 und 229.

276. Geld legen auf = anlegen, verwenden; vgl. Lexer, Mittelhochd. Handwörterbuch I, S. 1858 und Grimm,Deutfehes Wörterb. VI, 528. Die Auffaffung Dziaßkos (Beitr. zur Gutenbergfrage S. 28), daß von einerVerpfändung die Rede fei, nicht haltbar, was fchon Wyß a. a. O. nachgewiefen hat.

277. Die Frißen zur Befchaffung des Beweismaterials durften nicht zu kurz angefetjt werden (Induciaenamque non fub angußo tempore ... concedendae funt, ut accufati fe praeparare ... valeant) ; vgl.München, Das kanonifche Gerichtsverfahren I 2. A. (1874) S. 86 Anm. 2.

278. DieBerechnung auf einen beßimmtenTag(22. Aug. 1450), wie ßeWetter, Erfind.d. Buchdr. S. 287 Anm.verfucht hat, läßt fich nicht halten. Somit fällt auch die Aufßellung bei v. d. Linde, Gutenberg S. 151und Kapp, Gefch. d. d. Buchh. I, S. 42. Auch die Datirung auf 1449, wie ße v. d. Linde fpäter (Erf. d.Buchdr. I, S. 46) annimmt, unwahrfcheinlich, da ße wohl zu weit zurück geht.

279. Dziaßko, Gutenbergs früheße Druckerpraxis 1890 S. 114 (Samml. bibliotheksw. Arbeiten IV).

280. Die wichtigße Literatur die folgende: G. H. Perß, Ueber die gedruckten Ablaßbriefe von 1454 und1455 (Berlin 1857), Heffels, Gutenberg S. 150ff, v. d. Linde, Erf. d. Buchdr. III, S. 829ff u. 862ff,Dziaßko, Beitr. zur Gutenbergfrage S. 56 ff und Wyß, Centralbl. f. Bibi. VII S. 413 ff. Die Frage nachdem Drucker der Ablaßbriefe von 1454/55 fo beantwortet worden:

Perß: 31 zeil. Ablaßbriefe Pfißer; 30zeil. Ablaßbriefe Gutenberg.

Heffels: ? (Gutenberg-Fuß); Pet. Schöffer.

v. d. Linde: Gutenberg; Fuß-Schöffer.

Dziaßko: Gutenberg; Gutenberg .

Wyß: Gutenberg ; Fuß.

Daß weder Pfißer noch Schöffer im Jahre 1454 als felbßändige Drucker in Betracht kommen können, zweifellos. Es bleibt alfo nur noch zu entfeheiden, ob die 30zeil. Ablaßbriefe Gutenberg oder Fußzuzufchreiben ßnd. Zu voller Sicherheit in diefer Frage wird man aber wohl niemals gelangen, obfehonnicht zu verkennen, daß die von Wyß vorgebrachten Gründe fehr einleuchtend ßnd.

281. Am weiteßen geht hier v. d. Linde (Erfind, d. Buchdr. III S. 855f), welcher den Joh. Fuß zu einemneuen Shylock ßempelt und ihn fogar des Meineids befchuldigt. Offenbar reizten ihn die VerfucheAnderer (z. B. Bodmann, Sotjmann, Umbreit, Kapp etc.), den guten Rechenmeißer Fuß weiß zu wafchen.

282. Es fehr zu bedauern, daß wir die im Urtheil (Z. 47f) erwähnteWiddered vnd Nachrede ihrem In-halte nach nicht kennen, welche gewiß mancherlei Entgegnungen der ßreitenden Parteien enthielten.

283. De chalcographiae inventione poema encomiaßicum, Moguntiae ad D. Victorem excuffum a FranciscoBehem 1541 (vgl. S. Widmann, Eine Mainzer Preffe der Reformationszeit. 1889S. 6 und72). Abgedruckt das Gedicht, das alfo im S. Victorßift bei Mainz entßand (wo Gutenberg viel verkehrte), beijoannis,Script, rer. Mog. III S. 429 ff und bei Köhler, Ehrenrettung Guttenbergs S. 50ff.

284. Nach Schaab (Erf. d. Buchdr. I S. 318) beßand der Gerichtshof im Jahre 1455 aus folgenden 6 Perfonen:dem Kämmerer Johann Münch von Rofenberg, dem Schultheiß Ditherich Billung und den 4 RichternClas Schenkenberg, Endres Weyfe, Degenhard von Cleberg und Friedrich von Weyler. Vier von diefenfinden ßch bei Gudenus, Codex diplom. II S. 477, 486 und 492 erwähnt.

285. In der Klage hatte Fuß 1600 Gulden verlangt, in feinem Eid nennt er die Summe von 1550 Gulden.Daraufhin fuchte ihm v. d. Linde eine betrügerifche Abßcht unterzufchieben, aber die 1550 Gulden be-fchwor Fuß nur als die von ihm felbß gegen Zins aufgenommene Geldfumme.

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