DER TÜRKENKALENDER FÜR 1455.
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Buchftaben und Buchßabenverbindungen mit übergefetjten Kürzungsßrichen: ä e 7 öü n t ö t im oh ät et ds.
Buchftaben mit andern Kürzungszeichen: ßgnmfüläl'ßfig.
Befondere Abkürzungszeichen: 9 3 (hinter t und f auch als z verwant) $.
Man fieht aus diefen Zufammenftellungen, bei welchen idi zwißhen Vollbuchßabenund Anfetjern nicht unterßhieden habe, das Wefen des Syftems und kann (ich leicht er-gänzen, was danach im Typenßhatje vorhanden war und nur zufällig, bei der Kürze desKalenders, nicht zur Verwendung gekommen ift.
I ch faße die Ergebniße meiner Unterfuchung kurz zufammen. Der Dichter des Reim-kalenders fetjt den Margarethentag nach Straßburger Brauch an. Er gedenkt der Notdes Elfaßes im Armengeckenkrieg. Er iß ein Bürger oder bürgerfreundlicher Mann,ein Verfechter der bürgerlichen Rechte und Freiheiten. Die Sprache des Kalenders, dereinem, vielleicht zwei Sehern diktiert wurde, ißein gebildetes Mainzifch mitalemannifchenAnklängen, die man im Hinblick auf das Gefagte für Straßburg in Anfpruch nehmen wird.Auf wen paßt das Alles beßer als auf Gutenberg, den gebornen Mainzer und langjährigenBewohner Straßburgs? Ich halte ihn für den Verfaßer und Anagnoften des Kalenders.Der Kalender war durch feinen Inhalt geeignet, zugleich mit den Cyprifchen Ablaßbriefenverbreitet zu werden, mochte alfo immerhin etwas einbringen, falls mit den Ablaß- kommißaren ein entfprediendes Abkommen getroffen worden wäre. Gutenberg konnteübrigens auch den Ertrag einer gewöhnlichen Kalenderauflage brauchen.
Der Setjer des Kalenders arbeitet mit einem Typenfchatj, der kein W, kein Z, kein ß,kein 3 , kein de, kein ch ligiert enthält, für den z und vielleicht auch w beßhafift oder nach-gegoßen werden mußte, mit einem Wort mit einem Apparat für lateinifche Texte. Er be-ßhränkt die für den Text notwendigen AnfchafFungen auf das Aeußerfte. Er läßt lieberein großes W einmalen oder verwendet kleine als daß er die Koßen für einen neuenStempel aufwendet. Er hat alfo auch nicht im Sinn, weitere deutfehe Texte zu fetjen.Wahrßheinlich war er mit einem großen lateinißhen Werk beßhäftigt. Kurz: der Apparat,mit dem wir ihn hier arbeiten fehen, ift der Apparat der 36zeiligen Bibel.
Warum nahm Gutenberg für den Kalender nicht die Typen der 42zeiligen Bibel, dieman fpäter von Fufts Druckerei verwendet ßeht? Unter ihnen hätte er Z gehabt. Warenße ihm etwa damals — im Dezember 1454 — ßhon entzogen? War er damals ßhon mitFuft zerfallen? Oder handelte es ßch hier um ein Geßhäft, das er für ßch, ohne denandern, machen wollte? Damit nähern wir uns dem Problem der Cyprifchen Ablaß-briefe, über die ich eine befondere Abhandlung vorbereite . 37
Man hat Gutenberg auch noch nach Vollendung der 42zeiligen Bibel die Verfügungüber die Typen derfelben zufchreiben wollen. Ein mit den Typen und in der Einrichtungdiefer Bibel gedrucktes Blatt hat Delisle als Fragment eines auf etwa 38 Blätter zu be-rechnenden Pfalteriums erkannt. Er wie Dziatjko 38 weifen es Gutenberg zu, weil es inAnordnung und Faffung von den bekannten Pfalterien Fufts und Schöffers von 1457 und1459 abweiche und diefe ßch als Veranßalter der Ausgabe damit nur Konkurrenz gegenihre Pfalterien gemacht hätten. Aber gerade die verßhiedene Form, dazu der geringeUmfang fchließen den Gedanken an Konkurrenz aus.