318
Die Eidesleißung Fußs vom 6. November 1455 hatte zur Folge, dag Gutenberg allesnicht auf die typographifche Verbindung verwarne Geld zurückzahlen mugte, oder derApparat des ‘Werkes der Bücher’ mit allem damit geleiteten verfiel dem Gläubiger.Es war der Apparat der 42zeiligen Bibel mit der Auflage, wenn fie, wie ich vermute,fertig war oder foweit fie fertig war. Fertig war fie ficher am 15. Auguft 1456, denn vondiefem Tage datiert das ältefte, bisher bekannt gewordene rubrizierte Exemplar. 39 Durchdie Forfchungen Dziatjkos wiffen wir, dag die 36zeilige Bibel ein Nachdruck der 42zeiligenift, mit Ausnahme der ergen fünf Blätter und eines kurzen Anfangs des gleichzeitig inArbeit genommenen zweiten Setjerabfchnittes. 40 Vermutlich hatte Gutenberg nichtgleich ein Exemplar der 42zeiligen zur Verfügung, fonft würde er fie von Anfang annachgedruckt haben. Durch Dziatjko wiffen wir ferner, dag bei beiden Bibeln der Drudean vermiedenen Stellen gleichzeitig begann und dag bei der 36zeiligen oft Wechfel derPapierforten eintritt. Wechfel des Lieferanten wegen Schulden beim Vorgänger (ciieintdie nächftliegende Annahme. Papier mit gleichen, nur in der Form leicht abweichendenMarken wird man übrigens als einheitlich geliefert anfehen dürfen. Bei den von Dzia^koTafel II abgebildeten Sorten i und k finde ich überhaupt keinen Unterfchied in der Zeich-nung. Die vier gleichzeitig in Angriff genommenen Setjerpenfa der 36zeiligen Bibel um-faßen 266, 180, 222 und 214 Blätter. 41 Denkt man fich ein regelmägig arbeitendes Perfonal,fo konnte diefe Arbeit ziemlich rafch geleiftet werden. Das Se^erperfonal der 42zeiligenBibel glaube ich zu kennen. Ich halte dafür die Begleiter Fugs und die Vertreter Guten-bergs bei Fufts Eidesleiftung: Peter Gernsheim (Schöffer ) und Johann Bonne, HeinrichKeffer und Bechtolf von Hanau . Dazu kommt der ehemalige Pfarrer von St. ChriftophHeinrich Günther, der als Korrektor geholfen haben könnte. Keffer und Bechtolf, erftererfpäter in Nürnberg , lenterer in Bafel als Buchdrucker tätig, werden auch die Setjer desTürkenkalenders gewefen fein. Sie werden Gutenberg auch bei der36zeiligen Bibel unter-ftügt haben und bei kleineren Sachen, die er mit diefen Typen gedruckt hat. Bechtolfkönnte einen andern Hanauer, Ulrich Zell , 42 in den Buchdruckerberuf gebracht haben.
An der 36zeiligen Bibel fcheint aus Mangel an Mitteln nur mit Unterbrechungen ge-arbeitet worden zu fein. Man druckte mit denfelben Typen kleinere leicht verkäuflicheSchriften, die immerhin etwas einbrachten. Es find folgende bekannt:
1. Laxierkalenderauf dasjahr 1457, alfo Ende 1456 gedruckt. Nur ein Stüde davon ift erhalten. Auf der Suche nach Papierwafferzeichen für feine Sammlung in denalten, zur Vernichtung beftimmten Mainzer Rechnungen fand Gotthelf Fifcher, Bibliothekarund damals auch kommiffarifcher Archivar des Departements Donnersberg , im Jahr1803 das Blatt als Umfchlag einer gleichzeitigen Rechnung des Stiftes St. Gangolf zuMainz. Er fante es der Nationalbibliothek zu Paris ein und berichtete über feinenFund, unter Beigabe eines Facgmile, in der kleinen Schrift: Notice du premier monumenttypographique en caracteres mobiles avec date connu jusqu’ä ce jour. Dicouvert dansles archives de Mayence et depose ä la bibliotheque nationale de Paris par G. Fifcher.Mayence [1804] 4°. Ebenfo, doch ohne Facfimile, in feiner Befchreibung typographifcherSeltenheiten VI (1804)25—36. Die Auffchrift des Rechnungsumfchlags hat er an beidenStellen fo fehlerhaft wiedergegeben, daß fie mir Bedenken erweckte, die fich allerdingsauf das Facfimile des Druckes nicht übertrugen. Nach einer Photographie vom Originalzu Paris , im Befitj der Mainzer Stadtbibliothek, das der Vorßand derfelben Profeffor