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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. VELKE

und SchöfFer die Druckerei auf eigene Rechnung übernahm. Es ift diefe Scheidungzweifellos auf die Verheirathung Schöflfers mit Fußs Tochter Chriftine zurückzuführen,die in diefer Zeit erfolgt fein muß, nicht [chon etwa zehn Jahre früher. 19 Nach dem TodeFufts übernahm fein Schwiegerfohn Sdiöffer das Gefammtgeßhäft, Verlag und Drude, undfofort erßheint wieder in den Verlagswerken vom Jahre 1467 der Ausdrude confummare.Ueberhaupt nicht oder nicht in Verbindung mit feinem Namen gebraucht Schöffer auchfpäterdiefeBezeichnungindenDrucken,bei denen er die noch von Gutenberg herrührendenTypen verwendet. In dem mit den Lettern der 42zeiligen Bibel gedrudeten Donat, denDziaßko 20 mit Recht erß nach 1466 anfeßt, lautet die Schlußßhrift: Explicit Donatus artenova imprimendi . . . per Petrum de Gernßheym . . . effigiatus. Die mit Benutzungderfelben Typen hergeßellte Agenda Moguntina von 1480 hat: opus eft confummatum,nennt aber, obwohl fie nur von Sdiöffer gedruckt fein kann, deffen Namen nicht.Wahrßheinlich diefe feineUnterßheidung beabfichtigt und ihr Grund darin zu fuchen,daß in dem Ablaßbrief Schöffer die Kapitalbuchßaben als von (Ich erfunden und herge-ßellt bezeichnen will 21 und deßhalb (ich nennt (aber ohne confummare), während bei derAgenda, in der nur gewiffe Theile mit Gutenbergißhen Typen hergeftellt, im Uebrigendie eigenen Schöfferßhen Lettern verwendet worden find, diefer Grund fortfiel.Das Ganze follte als jeßiges Eigenthum SchöfFers bezeichnet werden, der Name desDruckers fehlt aber, da einem anderen urfprünglich gehörige Typen mitbenußt wordenwaren. Auf alle Fälle fehen wir, daß in den Unterfchriften diefer Mainzer Drucke nichtwillkürlich verfahren wurde, fondern daß eine beßimmte Regel ßreng durchgeführt wurde.

Uebertragen wir nun diefe Beobachtung auf die Bechtermünzefchen Drucke, fo findenwir das typographißhe Material des von Heinrich Bechtermünze begonnenen, von feinemBruder Nicolaus im Verein mit Wigand Spieß vollendeten Vocabularius vom Jahre 1467,wie die Unterfchrift klar ausfpricht, in deren Beßße. Dasfelbe aber gilt auch für die zweiteAuflage diefes Werkes vom Jahre 1469. Wigand Spieß ausgefchieden und fein An-theil an Bechtermünze übergegangen. Die Unterfchrift lautet daher nunmehr: per Nicol.Bechtermünze in Eltvil eft confummatum. Von einem Nießbrauch geliehener Typen,die ße von Gutenberg oder Humery erhalten hätten, kann alfo keine Rede fein, auchkann ihr Druckgeräth nicht 1468 im Nachlaß Gutenbergs ßch vorgefunden haben. Diein den beiden erßen Auflagen benutzte Catholicon-Type als folche verfchwindet dann,1472 erßheint ein neuer Druck des Vocabularius, der im Ganzen als eine Mifchung derbisherigen Catholicon-Typen mit den kleinen Texttypen des 31zeiligen Ablaßbriefesvom Jahre 1454, den Gutenberg gedruckt hat, ßch darftellt. 22 Der von Gutenberg her-geßellte und von ihm verwendete, dann lange unbenußt gebliebene Schriftfaß wurde ausirgend einem Grunde, vielleicht nur der Abwechslung wegen, wieder hervorgeholt;Bechtermünze kann nur der Verleger des Werkes fein, er nennt ßch aber nicht in derUnterfchrift, worin es nur heißt: In Eltvil eft confummatum. Diefelbe Erfcheinungalfo wie in den Fuß-SchöfFerfchen Drucken, wenn es ßch um die Verwendung von Typen-material handelt, das auch nur zumTheil nicht in ihrer Werkßätte hergeßellt worden.Die leßte wieder mit anderen, aber ausßhließlich eigenen Typen gedruckte Ausgabe desVocabularius von 1477 oder richtiger 1476 23 hat den Namen des Verlegers: per NycolaumBechtermünze in Eltvil eft confummatum. Nach Bechtermünzes Tode erwarb dann