Druckschrift 
Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
Seite
332
Einzelbild herunterladen
 

332

W. VELKE

DaßGutenbergderDruckeroderdertechnifche Leiter beider Anfertigung des Catholicongewefen, kann nicht bezweifelt werden. Aus der Fuß-Schöfferfchen Preffe dasWerk nicht hervorgegangen; die Gründe, die für Gutenberg geltend gemacht werden,will ich hier nidit wiederholen . 29 Die Schlußfchrift bezeichnet deutlich Mainz als Drude-ort und die Buchdruckerkunft als deutfehe Erfindung; fte fo charakteriftifch, daß wirin ihr einen beabfichtigten Hinweis auf dieThätigkeitdesjenigen beider Herftellung diefesDruckwerkes erkennen müffen, der die neue Kunft erfunden hat, wenn der Name Guten-bergs auch nidit genannt wird, nicht nur ein Gegenfatj zu den Fuft-Schöfferfchen Unter-fchriften erßditlich. Inßiweit ßimme ich mit der bisherigen Anfchauung ganz überein;nur darin muß ich von ihr abweichen, daß Gutenberg nidit mit geliehenem Geld eine neueDruckwerkßätte (etwa in der Algesheimer Burfe) für ßdi felbßßändig eingerichtet, fonderndaß er im Auftrag eines Unternehmers und auf deffen Koßen das typographifche Materialfür das Catholicon hergeßellthat. Er der Drucker des Catholicon, die Typen des neuenDruckwerkes ßnd feine Erfindung und fein geiftiges Eigenthum ; Eigenthümer aber desganzen Druckunternehmens ift nidit er, fondern, wahrfcheinlich in Verbindung mit anderen,Heinrich Bechtermünze.WärendieTypen zum CatholiconvonGutenbergineigenerWerk-ßatt und auf feine Koften angefertigt und von ihm etwa fpäter verliehen worden, fohätten ßdinach dem, was wir über den damaligen Gebrauch, als Verleger eines Werkesßch zu nennen, kennen gelernthaben,dieBechtermünze nichtalsEigenthümer diefesDruck-materiales bezeichnet. Gutenberg kann nur der Leiter des Druckes gewefen fein bei einemUnternehmen, das andere auf ihre Koßen und zu ihrem Nutjen eingerichtet hatten, erarbeitet im Dienß anderer. Dadurch kann fein Gefchick noch tragißher erfcheinen alsbei der bisherigen Annahme; inWirklidikeit macht es aber für die Beurtheilung feinerThätigkeit keinen Unterfchied, ob er für Bechtermünze die Typen angefertigt hat oder,wie man meint, mit Humerys Geld, einen Gewinn aus dem Druck des Catholiconhat er für ßch in beiden Fällen nicht gezogen. Berückßchtigen wir alle in Betrachtkommenden Punkte, fo ergiebt ßch für Gutenbergs zweite Druckerthätigkeit etwafolgendes Bild: Nach der Trennung von Fuft konnte Gutenberg eine neue Druckereiaus eigenen Mitteln nicht errichten, fein Genie war unbefchäftigt. Da fanden ßch reicheLeute, die feine Kunß ßch zu Nutje machen, vielleicht auch gleichzeitig den mittellofenMann unterßütjen wollten. Neben den großen, kirchlichen Zwecken dienenden Werkender Fuß-Schöfferfchen Offizin verfprach der Druck eines rein litterarißhen Werkeseinen materiellen Erfolg. So entftand zunächß für die Herftellung des Catholicon eineGeßhäftsverbindung, in der Gutenberg als Drucker thätig war. Ob neben HeinrichBechtermünze jetjt ßhon deffen Bruder Nicolaus und Wigand Spieß bei dem Gefchäftefinanziell betheiligt gewefen find, oder ob ße den Druckapparat erß nach deffen Todeübernommen haben, läßt ßch nicht erweifen. Eine andere angefehene Perfönlichkeit,deren Exißenz überhaupt geleugnet wird, fcheint aber an dem Unternehmen betheiligtgewefen zu fein, Johann Medenbach. Die Nachricht, daß Gutenberg, der fein Vermögenbei feiner Erfindung zugefetjt gehabt habe, von Fuß, Johann Medenbach und anderenMitbürgern unterßüßt worden fei, in diefer Form nicht richtig, ße aber nur als eineMythenbildung zu betrachten, die an den fpätern Drucker Jacob Medenbach anknüpfe,da man einen Johann Medenbach nicht kenne , 30 geht nicht mehr an, da diefer Mann alswohlhabende Perfönlichkeit zu jener Zeit in Mainz jetjt urkundlich nachgewiefen werden