ZUR FRÜHESTEN VERBREITUNG DER DRUCKKUNST.
333
kann. 31 Seine finanzielle Betheiligung an einem Drudeunternehmen hätte aber nur beimCatholicon gefchehen können. Doch mag das vorläufig dahingeßellt bleiben, wenn auchdie Verbindung mehrerer Geldmänner für das neue, immerhin mit einem Rifiko ver-knüpfte Unternehmen aus anderen Gründen wahrfcheinlich iß. Heinrich Bechtermünzeerjeheint jedenfalls in der Folge als der hauptfächlichße und für unfere Frage wichtigßeDruckherr, fo daß wir, der Kürze wegen, ihn allein als Inhaber des Gefchäftes hier an-nehmen können. In der auf diefe Weife zu Stande gekommenen Druckerei war Guten-berg technijcher Leiter, nicht Theilhaber am Gefchäfte, das als einheitliches Verlags-unternehmen von Bechtermünze, wie (ich aus der Verwendung des Druckapparates er-giebt, anzufehen iß. In diefer Druckwerkßätte waren alsGehülfen u. a. befchäftigtder ausdem Prozeß Gutenbergs vom Jahre 1455 bekannte Heinrich Keffer 32 und JohannNumeißer, der vermeintliche fpätere Wanderdrucker, dejfen Thätigkeit auch nach Claudineine neue Unterfuchung verdient. 33 Neben dem Catholicon gingen mehrere kleinereDrucke, bei denen derDrucker allgemein damals ßch nicht nennt, aus diefer Preffe her-vor; die Ablaßbulle von 1461 für das Stift Neuhaufen bei Worms kann aber weder inEltville gedruckt worden fein, 34 noch iß aus der Verwendung der Catholicon-Type fürden Ablaßbrief zu fchließen, daß Gutenberg auf der Seite der Adelspartei, die zu demvom Papft unterftütjten Adolf von Naffau hielt, geßanden habe. 35
Die Druckerei [cheint für die Herftellung des Catholicon in erßer Linie eingerichtetworden zu fein, ein größeres Werk iß daneben nickt aus ihr hervorgegangen. LängereZeit hat ße dann überhaupt geruht, 1467 tritt ße in Eltville auf mit einem Verlagswerkderfelben Richtung, mit einem Auszug (opusculum) aus dem Catholicon, dem Voca-bularius ex quo von 166 Blättern in Quartformat . Jetjt wird gefagt, daß Heinrich Bechter-münze das Werk begonnen und fein Bruder mit Wigand Spieß es nach deffen Todevollendet habe; ausdrücklich wird damit der Druck als Verlagseigenthum der Genanntenbezeichnet. Waren noch andere beim Catholicon finanziell betheiligt gewefen, fo find ßeinzwijehen abgefunden worden. Die neue Kunß felbß ausgeübt haben Bechtermünzeund Spieß wohl überhaupt nicht, ße haben ßch aber mit ihr auch nicht nur aus Lieb-haberei befchäftigt, 36 ße find die Verleger der in ihrer Druckerei hergeftellten Bücher undverßanden von der Druckkunft fo viel, wie zum Gefchäftsbetriebe nöthig war. Infofernift es richtig, daß ße von Gutenberg felbft die neue Kunft erlernt haben, aber nicht erß,nachdem diefer als Hofmann oder aus anderen Gründen feine Druckerei, die thatfächlichHumery gehört hätte, ihnen übergeben hatte. Wir wiffen nickt, aus welchen GründenBechtermünze feine Druckerei von Mainz nach Eltville , der Reßdenz des Kurfürften,verlegt hat; es iß möglich, daß ihm die Hülfe oder Aufficht Gutenbergs , der nickt erft1465 nach Eltville übergefiedelt fein wird, in feiner neuen Werkßatt willkommen war,jedenfalls aber iß die Druckerei fein Eigenthum und iß es bereits gewefen, als darin dasCatholicon in Mainz gedruckt wurde. Wenn in diefem die Unterfchrift den Ver-leger noch nickt nennt, fondern nur Mainz als Druckort angeführt wird, fo mag das andem bei der Neuheit der Sache noch nickt in fefte Form gebrachten Verlagsgefchäfte,der Theilnahme mehrerer an der Gefchäftsverbindung und in der Rückficht auf die Mit-arbeit Gutenbergs und feiner Gehülfen, deffen Erfindung die neuen Typen waren, ge-legen haben. Näheres können wir nur vermuthen, wir wiffen aber jetjt, wie gewiffenhaftdie damaligen Verleger in der Beifügung ihres Namens waren. Nachdem dann das Druck-