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W. VELKE
geräth, das für das Catholicon auf Koßen des Unternehmens angefertigt worden war,alfo nicht Gutenberg gehörte, in das vollßändige oder alleinige Eigenthum Bechtermünzesübergegangen war, nennt fich diefer als Verleger mit dem dafür als bezeichnend nach-gewiefenen Ausdruck.
Von der zweiten Auflage des Vocabularius ex quo iß Nicolaus Bechtermünze allein derVerleger; Spieß, den Bernard als eigentlichen Drucker der erßen Auflage anßeht, hat(ich vom Gefchäft zurüdegezogen, nicht durch Tod ift er ausgeßhieden. Die von Bodmannerwähnte 37 und von v. d. Linde 38 als Fäl(chung,wie fo manche andere, behandelteUrkundevom Jahre 1470 hat (ich im Original wiedergefunden. 39 Die einheitliche Catholicon-Typeverßhwindet dann in den fpäteren Auflagen des Vocabularius, wie wir bereits gefehenhaben, NicolausBechtermünze bleibt aber derVerleger des Werkes; die bisher gebrauchtenLettern waren wohl abgenußt, jedenfalls hat Bodmann, der fie an die MarienthalerDruckerei der Kogelherren übergehen läßt, mit feiner Angabe in diefer Form nicht Recht.
In der Bechtermünzefchen Druckerei in Eltville, zu der Gutenberg, wenn überhaupt,nur noch lofe Beziehungen gehabt haben wird, war Numeißer nicht mehr thätig — eriß 1462 und fpäter in Mainz nachweisbar —, dagegen müffen dort die Drucker, die zuEnde der fechziger Jahre die neue Kunft nach Paris brachten, von ihnen jedenfalls MartinKranß, als Gehülfen gearbeitet haben. Sie find die Gewährsmänner für Fichet, der indem oben angeführten Briefe fagt, daß Gutenberg haut procul a civitate Maguncia, wo-mit nur Eltville gemeint fein kann, gelebt habe. Madden 40 hat in anderem Zufammen-hang darauf hingewiefen, daß diefe erften Parifer Drucker dem in den beiden Auflagendes Vocabularius von 1467 und 1469 durchgeführten technifchen Verfahren, im Gegenfaßzu der Fuß-SchöfFerfchen Druckweife in Quaternionen, gefolgt find. Er will dadurchdie Bechtermünze als Schüler Gutenbergs nachweifen, in deffen Schule auch Kranß,Gering und Friburger die Druckerei gelernt hätten ; ße haben zweifellos in der Bechter-münzeßhen Werkßatt gearbeitet, Kranß wahrßheinlich ßhon am Catholicon, die beidenanderen fcheinen erß fpäter zur Erlernung der Druckkunft nach Mainz und Eltville gekommen zu fein. Ein Gegenfaß zwifchen Drucken Gutenbergs und Bechtermünzes ißaber nicht anzuerkennen.
Ift die bisher entwickelte Anficht richtig — und in den wefentlichen Punkten wird dieszugeftanden werden müffen —, fo kann das in dem Revers Humerys genannte Druck-material auf das Catholicon nicht mehr bezogen werden. Zugleich erfahren wir jeßt denGrund, weßhalb Gutenberg fich in keinem Druckwerk nennt, auch im Catholicon nicht. Vonjeher iß dies auffallend gefunden und befonders von Heffels 41 als ein Argument benußtworden, um Gutenberg die Erfindung überhaupt abzufprechen. Die wunderlichßen Ver-muthungen find über das Schweigen aufgeßellt worden. Gutenberg foll fich nicht nennen,weil er als Edelmann nicht offenkundig eine mechanißhe Kunß habe ausüben können;weil er zu befcheiden war und mit feiner Kunß nicht, wie Fuft und Schöffer , prahlenwollte, auch keine Gefchäftsreklame nöthig hatte; weil er fich durch die typographifchenLeißungen Schöffers übertroffen und verdunkelt fah. Von der Linde 42 nimmt an,Gutenberg habe das Catholicon nicht mit feinem Namen unterzeichnet, um es gegendie drohende gerichtliche Pfändung zu (chüßen. Diefer Grund wird jeßt wohl allgemein