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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
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Auch die Maschinenindustrie entfaltet sich erst in derzweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts. Hier werden vorallem die Engländer die Erzieher der Deutschen. John Cockerillbaut in Berlin 1815 das erste Textilmaschinenunternehmen, daszweite errichtet ein Jahr später ein zweiter Engländer namensFoster. 1834 besitzt Berlin erst drei Maschinenfabriken mit72 Arbeitern. Erst drei Jahre später macht sich Borsig selb-ständig, der seine Maschinen noch durch Menschenkraft be-treiben muß. Der erste, der die amerikanische Präzisionsmethodeeinführt, ist Ludwig Loewe. Ebenfalls nach ausländischem Vor-bild werden Benno Orenstein und Arthur Koppel Begründereiner neuen Spezialindustrie.

Die zunehmende Industrialisierung aller Länder zwingt zustärkerer Umstellung auf die Erzeugung von Qualitäts-produkten. Kohle und Eisen werden Hauptfaktoren für ihreHerstellung. Die umwälzenden Erfindungen der Chemikerschaffen in geheimnisvollen Verfahren aus der Kohle Farbstoffeund Heilmittel. Kohle und Kupfer dienen der Elektrizitäts-erzeugung. Für den deutschen Export erhält die Ausfuhr anfertigen Qualitätswaren eine immer größere Bedeutung. NebenWerner von Siemens wird Emil Rathenau der Schöpfer derdeutschen Elektrizitätswirtschaft. Sein Sohn Walther Rathenauund seine Mitarbeiter Felix Deutsch und Paul Mamroth setzensein Werk fort. Auch in der Telefonfabrikation (Berliner inHannover und Fuld in Frankfurt a. M.) sowie in der Kabel-herstellung (Cassierer, Berlin) sind Juden tätig.

In Berlin gründet 1826 der jüdische Armeelieferant SamuelHirsch Kunheim aus Ankuhn bei Zerbst die erste Holzessig-säurefabrik, aus der unter seinen Nachkommen, die dem Juden-tum nicht mehr angehören, das große chemische Unternehmenentsteht. In die Firma, die im Jahre 1808 der FriedbergerHandelsmann David Löb Cassel in der Frankfurter Judengasseins Leben ruft, und die später den Namen Leopold Cassella & Co.annimmt, heiratet in den fünfziger Jahren Bernhard Weinbergaus Escheberg in Kurhessen ein. Seine Söhne Arthur und Karlvon Weinberg, die auch nicht mehr dem Judentum zugezähltwerden können, werden die Mitschöpfer des größten Farben-