JULIUS BERGER
D as war für Zempelburg ein Ereignis, als bald nach demKriege zwischen Frankreich und Deutschland ein jungerFuhrherr durch die Straßen des Städtchens kutschierte. DieZempelburger kannten ihn gut. Denn er war einer der ihrenund hieß Julius Berger. Sie besprachen sehr lebhaft — washatte man dort sonst zu besprechen? — die Kühnheit desFünfzehnjährigen, der es den älteren Spediteuren am Ort gleich-tun wollte. Aber da die Bürger von Zempelburg alles wußten,was in den Mauern ihrer Stadt geschah, so hatten sie auch er-fahren, daß der junge Fuhrherr nur notgedrungen nach demwestpreußischen Nest zurückgekehrt war. Es war ihnen bekannt,daß der alte Berger, der sie selbst jahrzehntelang zur nächstenStation an die Ostbahn gefahren hatte, wenn sie nach Schneide-mühl und Könitz oder gar nach Berlin oder Danzig fahrenwollten, ein kranker Mann geworden war, der sein Geschäftnicht mehr wahrnehmen konnte. So wunderten sie sich baldnicht mehr, daß dieser Sohn jetzt für seine Eltern und fürseine zahlreichen Geschwister sorgen mußte: denn aus dreiEhen, die der alte Berger geschlossen hatte, wuchsen fünfzehnKinder im Bergerschen Hause heran, von denen später zehnnach Amerika auswanderten.
Julius Berger wollte ursprünglich Kaufmann werden. SeinVater gab deshalb den Dreizehnjährigen, der am 22. September1862 in Zempelburg geboren wurde, noch vor der Einsegnungin Berlin in ein Leder-Engrosgeschäft in die Lehre. Aber dieSchicksalsschläge in der Familie hatten weder die Zukunfts-träume des Vaters noch die des Sohnes reifen lassen. Nach kur-zer Zeit muß sich der angehende Lederhändler selbst auf den