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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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DAS HAUS BLEICHRÖDER

V on den Rothschilds hatte sich niemand in Berlin niederge-lassen. Sie standen zwar mit der preußischen Regierung seitden Tagen der napoleonischen Kriege in enger geschäftlicherBeziehung, sie hatten mit Preußen im Jahre 1818 die erste großeStaatsanleihe, die sie allein übernahmen, unter Führung Nathans,abgeschlossen, Salomon Rothschild war zu geschäftlichen Ver-handlungen auch in Berlin gewesen, aber es schien niemandender fünf Brüder zu locken, seinen Sitz in Berlin aufzuschlagen.Die fritzische Stadt, die damals erst Großstadt zu werden be-gann, stand an wirtschaftlicher Bedeutung noch weit hinterden anderen Metropolen Europas zurück. Das Haus Rothschildhatte aber frühzeitig die Kräfte erkannt, die in dem aufstreben-den Preußen schlummerten, und war klug genug, die Verbindung,die es zu den preußischen Staatsmännern besaß, aufrechtzuer-halten. Denn es lag ihm daran, weitere Transaktionen mit diesemStaat, dem vor allem die Niederringung Napoleons zu verdankenwar, durchzuführen. Dazu bedurfte die Firma M. A. Rothschild& Söhne eines tüchtigen Agenten. Durch eine Empfehlung desPräsidenten der Preußischen Seehandlung Bloch wurde sie aufeinen jüngeren Berliner Bankier aufmerksam gemacht: aufSamuel Bleichröder.Die notorisch strenge Rechtlichkeit desSamuel Bleichröder, so lesen wir in einem amtlichen preußi-schen Dokument,bestimmte die Rothschildschen Häuser, ihnzu ihrem Stellvertreter in Berlin zu ernennen, welche Funktionauch auf den Sohn Gerson übergegangen ist. Seit 1828 bestandendie nahen Beziehungen zwischen dem Hause Rothschild und demHause Bleichröder, die Jahrzehnte hindurch die beiden Bank-