Druckschrift 
Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
249
Einzelbild herunterladen
 

OSCAR WASSERMANN

D ie Großbanken haben den Privatbankier vielfach verdrängt,haben ihm einen Teil seines Einflusses genommen, aber siehaben ihn der Funktion des Geschäftsfreundes, die er heute nocherfüllt, nicht berauben können. Soweit es den alten Bankhäuserngelingt, sich ihre Selbständigkeit zu bewahren, haben sie zwarBeziehungen zu den Bankinstituten angeknüpft, mit ihnen ge-meinsam viele Transaktionen durchgeführt, Anleihekonsortiengebildet, aber dabei doch Wert auf eine gewisse Distanz zu denRiesenorganisationen des Bankgewerbes gelegt. Die wenigenBankgeschäfte mit alter großer Tradition, die heute noch be-stehen, haben stets eifersüchtig darüber gewacht, sich ihrenNachwuchs aus den eigenen Reihen heranzubilden und ebensoan dem Prinzip festzuhalten, keinen Angehörigen des eigenenHauses in den Dienst einer Großbank zu stellen. Die Führer derGroßbanken haben sich zwar meistens ihre Sporen bei den Privat-bankhäusern verdient, aber keiner von ihnen entstammt denalten Bankfamilien. Kein Mitglied der Rothschilds, der Mendels-sohns oder der Bleichröders ist je in die Leitung einer Großbankeingetreten. Auch die Warburgs, Oppenheims, Hirschlands,Sulzbachs, Homburgers, Arnholds und wie sie alle heißen mögen,hielten sich peinlich von allzu familiärer Berührung mit denBankanstalten fern. Selbst bei dem Aufgehen alter Privatbank-firmen in eine Großbank begnügten sich die Angehörigen dieserHäuser meist bescheiden mit einem Sitz im Aufsichtsrat. Nureiner hat es gewagt, diesen Graben zu überspringen, der Nach-komme einer der ältesten deutschen Privatbanken: Oscar Wasser-mann.