BENNO ORENSTEIN
D ie rapide Entwicklung der Verkehrsmittel ist einer derHauptfaktoren für die Umgestaltung der Wirtschaft imneunzehnten Jahrhundert. Die Flüsse hinab und über die Meerefahren Dampfer, die das Segelschiff verdrängen. Eisenbahnenersetzen die Postkutsche. Der Telegraph trägt Botschaften, diefrüher erst in Tagen, ja in Monaten ihr Ziel erreichten, inwenigen Stunden um die Erde. Die moderne Wirtschaft scheintseitdem einem Zauberwort zu gehorchen: die Entfernungen aufder Welt illusorisch zu machen. Kanadischer Weizen, amerika-nisches Kupfer, ägyptische Baumwolle haben den Nimbus ihrerHerkunft verloren. Es sind keine Kostbarkeiten mehr wie einstdie Spezereien, die die Venezianer oder Genuesen aus demOrient nach Europa brachten. Jetzt spielt der Ursprungsort derRohstoffe nur eine untergeordnete Rolle. Die Wirtschaft derneuesten Zeit hat nicht nur das Bestreben der ständigen Ver-kürzung des Weges zwischen dem Produzenten und dem Konsu-menten, die Steigerung des Verkehrs hebt auch die Absatzfähig-keit aller Waren. Der Markt, der früher an die Stadt gebundenwar, hat sich zum Weltmarkt geweitet.
Was der Ausbau des Eisenbahnnetzes für Europa bedeutet,hat Strousberg in genialer Weise vorausgesehen. Die Eisen-bahnen verdanken ihre Entstehung der Technik, aber sie fördernauch die Kunst der Ingenieure in ungeahntem Maße. Sie ver-schlingen ungeheure Mittel, aber sie geben auch tausendenvon Menschen Nahrung. Das Dampfroß Stephensons wird zumSymbol des Hochkapitalismus. Aber es ist nicht nur die Schnellig-keit, mit der die Bahnen Personen und Güter befördern, es ist