BETHEL HENRY STROUSBERG
W ie klein ist unsere Welt geworden! Die kühnsten TräumeJulesVernes sind längst überholt. Nicht mehr achtzig Tagedauert die Reise um die Erde. Das Luftschiff „Graf Zeppelin“hat den Erdball in einem Viertel dieser Zeit bei einer reinenFahrtdauer von nur dreizehn Tagen umkreist. In sechsund-dreißig Stunden wird der Atlantische Ozean überflogen. In dergleichen Zeit führt uns die Eisenbahn von Berlin nach Rom. AlsGoethe zu seiner ersten italienischen Reise sich in der Frühedes 3. September 1786 „aus Karlsbad stahl“, dauerte es einevolle Woche, bis er am 10. in Trient an der italienischen Grenzeanlangte, und er meinte, „das ist das Angenehme auf Reisen,daß auch das Gewöhnliche durch Neuheit und Überraschungdas Ansehen eines Abenteuers gewinnt“.
Mag auch die Fahrt im Luftschiff oder Flugzeug heute nochdas Ansehen eines Abenteuers für uns besitzen, die Reise imEisenbahnzug ist zur Selbstverständlichkeit geworden. DenSchienenwegen ist es im letzten Jahrhundert gelungen, dieMenschen miteinander zu verbinden, die Entfernungen zu über-brücken, die Völker aus der National- zur Weltpolitik, aus derVolks- zur Weltwirtschaft zu führen. Erst die Eisenbahnenschufen die Abhängigkeit der einen Nation von der andern. Siemachen die Grenzpfähle illusorisch, die heute der Verkehr durchdie Luft als antiquierte Symbole empfindet. Erst der Zug, dendie Lokomotive über große Entfernungen führt, schafft wirk-lich den Verkehr, steigert damit die Produktion, den Handelund den Konsum. Ohne sie wäre der moderne Kapitalismusundenkbar.