CARL FÜRSTENBERG
I n der Zeit der Inflation führt ein Berliner Bankier einenfremden Kollegen durch Berlins Bankenviertel. Dem aus-wärtigen Gast fällt auf diesem Spaziergang besonders der him-melstürmende Neubau einer Großbank auf. Viele Banken habenin dieser Zeit Stockwerk auf Stockwerk getürmt. Ironisch fragtder Fremde den Berliner, ob in diesem Palast vielleicht dievielen Billionen der Inflation untergebracht werden sollen. „Siehaben recht“, erwidert der Berliner, „und die Nullen dieserBank werden sich in der ersten Etage befinden.“
Der Berliner Bankier ist niemand anders als Carl Fürstenberg.Selbst wenn diese Geschichte erfunden sein sollte, wäre sie fürFürstenberg charakteristisch. Bezeichnend für das Wesen dieseseigenartigen Mannes. Sein Sarkasmus, seine Schlagfertigkeit,sein Scharfsinn sind die Veranlassung zu einer Unzahl vonAnekdoten und Witzen, die über ihn kursieren, und die ihm zu-geschrieben werden. Wenn sie auch nicht alle von Fürstenbergselbst stammen, oder wenn sie nicht sämtlich wahr sind, sie sindin ihrer Art typische Fürstenbergiana. Sie legen Zeugnis abvon diesem Bankgewaltigen, der auch heute mit seinen achtzigJahren einen Typus für sich verkörpert, die Menge der Bank-direktoren als ein ganz Origineller bei weitem überragend. DieseScherze spiegeln aber noch einen Zug seines Wesens wieder:seine Menschenverachtung und das Gefühl seiner Überlegen-heit; Charaktereigenschaften, die Fürstenberg nicht nur Freundewährend seines langen Wirkens beschert haben.
Wenn man von Fürstenberg erzählt, er habe behauptet, in derBilanz seiner Gesellschaft sei nur die Überschrift und die Unter-
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