EDUARD ARNHOLD
m Rhein und der Ruhr, an der Sieg und der Saar, in den west-
lichen Zentren der deutschen Montanindustrie, sind Kohlen-zechen und Eisenwerke ohne jüdische Mitwirkung entstandenDie Krupp und Kirdorf, die Stumm und Stinnes, die Thyssenund Röchling sind protestantischen oder katholischen Ursprungs.Anders im Osten. In Oberschlesien verdanken Kohlenbergbauund Eisenindustrie hauptsächlich jüdischer Initiative ihre Ent-stehung. Ohne die Caros, die Huldschinskys, die Kerns undFriedlaenders ist das zweite Revier an der Oder nicht denkbar.Aber die Natur hat den rheinisch-westfälischen Bezirk besondersreich ausgestattet. Kohle und Erz liegen hier dicht beieinander.Der Rhein mit seinen vielen schiffbaren Nebenflüssen bildet dienatürliche Straße zu und von den Werken. Um das Schwer-industriegebiet lagert sich ein weites Hinterland mit einer zahl-reichen und vielfältigen Verfeinerungsindustrie, die auf die Er-zeugnisse dieser Hütten und Zechen angewiesen ist.
Anders dagegen in Oberschlesien. Hier entwickelt sichdie Schwerindustrie in der südöstlichsten Ecke des Reichs. Siehat Polen und Rußland auf der einen, Böhmen und Österreichauf der andern Seite als Nachbarn. Die Oder, im Ober-lauf damals noch nicht schiffbar, führt zumeist durch reinagrarische Gebiete, die kein Interesse an den Produkten der ober-schlesischen Werke besitzen. Hier gilt es erst, neue Absatzmög-lichkeiten zu schaffen, um die jungen Unternehmungen lebens-fähig zu erhalten. Jüdische Männ,er sind es, die nicht nur dieIndustrie selbst entwickeln, sie werden auch die Pioniere Ober-schlesiens. Sie schaffen die Verbindung zwischen diesem öst-