JAKOB GOLDSCHMIDT
D ie Katastrophe der Markwährung bedeutet zugleich denSturz eines Geschlechts. Tausende von Existenzen werdenvernichtet, Kapitalien in Generationen mühselig angesammelt,in alle Winde zerstreut. Die alten Führer werden dezimiert, undaus dem Nichts entstehen neue Größen. Die soziale Struktur desgesamten Volkes wird verändert. Nur der scheint recht zu be-halten, der das bewegliche Kapital verschmäht und sich unbe-wegliches soweit wie möglich anzueignen versteht. Was nützenSparguthaben, Lebensversicherungen, was Effekten und an-dauernde Lohnerhöhungen, wenn die Begriffe sich verwirrenund Mark nicht mehr Mark ist. Diese Zeit der Wirrnis, die einePapiergeldüberschwemmung bringt, wie sie noch nie ein Volkerlebt hat, führt zu einer künstlichen Aufblähung auf allenGebieten, weil jeder glaubt, er müsse sein Geld in Waren, inMaschinen, in neuen Fabriken anlegen. Diese Jahre bewirkengleichzeitig eine Inflation der Persönlichkeiten. Wie Seifen-blasen in allen Farben schillernd und glänzend erscheinen sie,um ebenso schnell wieder zu verschwinden. Sie allein scheinen mitihren Methoden des wahllosen Zusammenraffens von Sach-werten recht zu behalten. Indem sie ständig neue Schuldeneingehen, weil sie wissen, daß sie am nächsten Tage verflogensind. Das System Stinnes siegt. Wer ist von all den Männernoben geblieben, die sich einst als Führer Deutschlandsdünkten? Sie haben jämmerlich Schiff brach gelitten, soweit siees nicht verstanden, sich den strengen Regeln der Wirtschaftzu beugen.
Zu den vereinzelten Gestalten, die in jenen apokalyptischenJahren aufsteigen, ohne Nutznießer dieser Zeit zu sein, zu den