Kutschbock setzen, um den Zempelburgern Fuhrdienste zuleisten. Im pommerellenschen Lande gibt es damals noch kaumeine Eisenbahnlinie. Für einen tüchtigen Fuhrunternehmerscheint es also manche Möglichkeit zu geben, da er keine Kon-kurrenz durch schnellere Transportmittel zu befürchten hat.
Als aber die Bahn von Nakel nach Könitz über Zempelburggebaut wird, als die meisten Fuhrunternehmer Zempelburgsbereits ihren Untergang beklagen, ist es der junge Julius Berger,der sofort die Situation erfaßt. Er stellt sein Fuhrwerk in denDienst des Bauunternehmers, fährt ihm die Geräte an, ebensodie Baumaterialien. Bald kauft er von den Bauern, die ja seineAuftraggeber für Fuhren der verschiedensten Art sind, Steineund verkauft sie mit geringem Nutzen an den Bahnbaumeister.Als dann die Bahn fertiggestellt ist, erhält er ständige Spedi-tionsaufträge. Der Landrat seines heimischen Kreises überträgtihm auch die Kiesfuhren für die Chausseebauten.
Auf diesen Fahrten zu den Baustellen, die Julius Berger fasttäglich unternimmt, hat er plötzlich einen Einfall, den richtigenEinfall, den jeder haben muß, der sich durchsetzen will. Einkühner Gedanke sagt ihm, daß er selbst auch Chausseen bauenkönne. Er hat es zwar nie gelernt, wie man das macht, war nieTechniker oder Baumeister gewesen, aber er hatte mit scharfenAugen beobachtet und bei seinen Transporten festgestellt, wieman einen Straßenbau durchführt. Wenn Julius Berger auchheute betont, daß er selbst keinen Strich zeichnen könne, daßer die Aufstellung der Pläne stets seinen Technikern undIngenieuren überlasse, so erklärt er doch mit einem gewissenStolz, er sei Spezialist für alles. Er muß also schon als jungerMensch eine stark konstruktive Begabung besessen haben, dieihn zum Baumeister befähigte. Ganz ähnlich wie ein musi-kalischer Mensch, der zwar Melodien ersinnen, sie aber nichtin Noten umformen kann. Sonst wäre es undenkbar, daß Bergerheute einer der ersten Tiefbaumeister der Welt geworden ist.
Als Julius Berger das erste Geld verdient hat, sucht er sicheinen neuen Wirkungskreis. Im Jahre 1892 zieht er nach Brom-berg und begründet dort ein Tiefbauunternehmen unter seinemNamen. Das Speditionswesen hat er an den Nagel gehängt.