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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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über die Eisenbahngründungen eine schwere Krise folgt, gehörtdie Firma Bleichröder zu den wenigen Häusern, die sich uner-schüttert in dem Sturm behauptet. Ihr Ruf ist begründet, ihreBeziehungen zum Hofe sind befestigt. Schon 1842 hatte SamuelBleichröder auf Veranlassung des Fürsten Wittgenstein für dieReise Friedrich Wilhelms IV. nach England die nötigen Sovereignsund Pfunde beschaffen müssen.

Als Samuel Bleichröder am 30. Dezember 1855 stirbt, folgt ihmin der Leitung des Bankhauses sein ältester Sohn Gerson, derseiner Ehe mit Johanna Aron Meyer (17921847) entstammt.Unter ihm erhält das Haus Bleichröder Weltruf. Gerson Bleich-röder wird einer der ersten Bankiers Europas. Der Name Bleich-röder wird wie einst der Name Rothschild zu einem Symbol. Soreich zu sein wie Bleichröder erscheint vielen Berlinern als derTraum allen Strebens nach irdischem Glück. Aber Gerson Bleich-röder wird nicht nur der reichste Mann Berlins: er wird der Ver-trauensbankier der Regierung. Die einzigartige Stellung, dieer einnimmt, hat vor ihm kein Jude in Preußen besessen. Er ge-winnt diesen Einfluß nur durch die Macht seiner Persönlichkeit.Denn in ihm verbinden sich große Verstandesschärfe, seltenerWeitblick und starkes Zielbewußtsein. Es paaren sich in ihmTradition und Kultur.

Als er am 22. Dezember 1822 in Berlin geboren wird, hattesein Vater die Verbindung mit den Rothschilds noch nicht ange-knüpft, aber sein Geschäft schon ausgedehnt. So wächst er ineinem gewissen Wohlstand auf und erhält eine gute Erziehung.Das Gelübde, das er in einer Rede anläßlich seiner Einsegnungniederlegt, hat er treu gehalten. Er bleibt sich seines Judentumsstets bewußt, ja er benutzt seine Stellung oft, um Angriffe aufseine Glaubensgenossen abzuwehren. Das Leben seines Vaters,auch das seines Großvaters beweisen, daß seine Vorfahren Män-ner waren, die über den Durchschnitt ihrer LJmgebung hervor-ragten und über die Sphäre, in der sie lebten, hinauswollten.Von gleichem Streben ist Gerson Bleichröder beseelt. Erfülltvon Ehrgeiz, durchaus nicht frei von Eitelkeit, sehr stolz auf alleAuszeichnungen, die er erhält, und sich des Ranges bewußt, dener schließlich einnimmt, gelingt es ihm, die Firma, in der er dem