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zunächst für einen Kandidaten der Theologie. Schon am erstenTage ergreift er das Wort. Schulze-Delitzsch, Bennigsen, FranzDuncker und viele der anderen hervorragenden Männer desdeutschen Liberalismus sind erstaunt über den gänzlich unbe-kannten Jüngling, der sich zur Debatte meldet. Loewe sprichtzur Frage des kurhessischen Verfassungskampfes, der zu dieserZeit die Gemüter erregt. Er fordert die Unterstützung desganzen Landes für die gute Sache, die dort verfochten wird.Am zweiten Tage ist er es allein, der vom Nationalverein ver-langt, für die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in ganzDeutschland einzutreten.
Als Loewe 1858 nach Berlin kommt, steht hier FerdinandLassalle auf der Höhe seines Einflusses und zieht auch ihn zu-nächst in seinen Bann. Sobald aber Lassalle den deutschen Libe-ralismus verläßt (vgl. hierüber Schay, Juden in der deutschenPolitik, Welt-Verlag, Berlin 1929), nimmt Loewe von ihmAbschied und schließt sich der Turnbewegung an. Hier kommter mit den führenden Berliner Männern der Fortschrittspartei,mit Rudolf Virchow und Wolfgang Strassmann in enge Berüh-rung, die ihn der Kommunalpolitik zuführen. Schon mit sieben-undzwanzig Jahren ist er Stadtverordneter und wird Mitbe-gründer der sogenannten Bergpartei des Stadtparlaments. Wennes gelingt, die Berliner Finanzen in kurzer Zeit zu ordnen, dieBerliner Verwaltung mit modernem Geist zu erfüllen und diesozialen Einrichtungen Berlins zu reorganisieren, so ist das haupt-sächlich Loewes Verdienst. Der Weitgereiste erkennt die kom-mende Bedeutung Berlins und seine kommunalpolitische Tätig-keit ist deshalb darauf gerichtet, ihre Einrichtungen der angehen-den Weltstadt anzupassen.
1877 entsendet ihn der erste Berliner Wahlkreis in das Ab-geordnetenhaus, im gleichen Jahre auch in den Reichstag.Seine entschieden liberale Gesinnung führt Loewe auch hier indie Reihen der Fortschrittspartei, nach deren Fusion mit derLiberalen Vereinigung im März 1884 in die der Deutsch-Frei-sinnigen Partei, die von Richter und Rickert gemeinsam geleitetwird. In beiden Parlamenten zeigt er sich als der gleiche schlag-fertige Redner wie in der Stadtverordnetenversammlung. Als