Druckschrift 
Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
152
Einzelbild herunterladen
 

152

mandate, die ein Mann der deutschen Wirtschaft überhaupt be-sitzt. Ende 1929 sind es noch fünfzig Aufsichtsratsposten, die erinnehat. Aber für ihn ist das Amt eines Aufsichtsratsmitgliedeskeine Sinekure. Er führt die Tantieme den Kassen seiner Ge-sellschaft zu und verlangt dies auch von seinen Kollegen. AlsAufsichtsratsvorsitzender wird er zum Mitleiter all der Werke,deren Verwaltung er beaufsichtigen soll. Daß er in dieser Tätig-keit den größten Einfluß auf die Bewegung an den deutschenBörsen gewinnt, ist einleuchtend, ebenso daß auch ihm nichtalles glückt, und auch er manchen schweren Verlust überwindenmuß. So trennt sich Fürstenberg von dem sogenannten Fürsten-Konzern, der Interessenverwaltung der Fürsten Fürstenberg undHohenlohe, als er dessen Geschäfte nicht mehr gutheißen kann.In diesem Zusammenhang erregt sein Konflikt mit dem Kohlen-industriellen Fritz von Friedlaender-Fuld großes Aufsehen, dersich zu einem Duell zwischen der Handelsgesellschaft und derDeutschen Bank ausgestaltet. Die Handelsvereinigung, die Ver-waltungsgruppe des Fürsten-Konzerns, geht hierbei in denMachtbereich der Deutschen Bank über. Auch die Hohenlohe-Werke, die seinerzeit unter Friedlaenders und FürstenbergsMitwirken in eine Aktiengesellschaft umgewandelt waren, tren-nen sich von der Handelsgesellschaft, so daß Fürstenberg seinenAustritt aus dem Aufsichtsrat erklären muß. Ebenso wandert derFriedlaender-Konzern aus dem Lager der Handelsgesellschaft indas der Deutschen Bank ab. Diese Operationen führen natürlichzu scharfen Angriffen gegen Fürstenbergs oft recht eigenmächtigePolitik. Aber diese Rückschläge können seine Verdienste nichtmindern. Sehr treffend wird seine Leistung in einem Artikel derBerliner Börsen-Zeitung charakterisiert (August 1920):Werdaher eine Geschichte der deutschen Großindustrie schreibenwollte, würde neben den berühmten Namen der Montanindu-strie, der Maschinenindustrie, der Elektrizitätsindustrie undmancher anderer Industriezweige immer wieder den Fürsten-bergs nennen müssen, um verständlich zu machen, wie der Leiterder Berliner Handelsgesellschaft die finanziellen Wege zu immerneuen Entwicklungsphasen der großen Werke zu ebnen verstand.Er bildete die Mittelsperson zwischen Kapital und Unternehmer-