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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
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Bedenken seines Vaters freudig an. Wenn ihm auch ursprüng-lich die Laufbahn des Juristen vorschwebt, wenn er sich auchschon in seinen Träumen als Oberlandesgerichtsrat oder aufnoch höherem Posten sieht, er weiß, daß einem Juden trotzaller Tüchtigkeit der Weg zu den höchsten Richterämtern ver-sperrt ist. Ihn reizt, wie er selbst sagt, die größere Ungewiß-heit der Zukunft. Trotz aller Korrektheit seines Wesens, trotzder Disziplin des Juristen, die ihm eignet, verlockt es ihn, denschnurgeraden Weg eines Beamten, die Sorglosigkeit dieserKarriere, zu verlassen, und in einem kaufmännischen Betriebsich auf eigene Füße stellen zu können. Der Vater warnt vorder Abhängigkeit, in die er sich begibt. Carl Melchior glaubtdagegen, er sei in seiner neuen Position viel weniger gegängeltals er es als Richter war. Die Vielseitigkeit der Aufgaben, dieseiner harren, lockt ihn gegenüber der Eintönigkeit seiner bis-herigen Stellung. Dazu kommt, daß das alte Haus Warburgdamals schon eines der führenden Bankhäuser Deutschlands ist.

Schon im Jahre 1645 war der Ahnherr der HamburgerFamilie Warburg, Jacob Samuel Warburg, nach Hamburg ge-kommen. Er führte seine Abstammung zurück auf Simon vonKassel, der im Jahre 1559 von Kassel nach dem nahen west-fälischen Städtchen Warburg im Bistum Paderborn ein gewandertwar und den Namen dieser Stadt angenommen hatte. AlleNachkommen Jacob Samuel Warburgs sind wie er selbst inHamburg als Geldwechsler tätig. Sein Ururenkel Moses MarcusWarburg begründet im Jahre 1797 mit seinem Bruder Gersondie Firma M. M. Warburg & Co., die 1831 sein Schwiegersohnund Neffe Aby S. Warburg übernimmt, der der Vertreter desHauses Rothschild in Hamburg wird. Aby S. Warburg wirddurch seine Söhne Siegmund und Moritz Warburg in derLeitung des Geschäfts abgelöst, der jetzt bereits unter Führungvon Max M. Warburg die vierte und die fünfte Generation desHauses angehören.

Es ist erklärlich, daß Melchior die Berufung in eine Firmamit so alter Tradition als eine besondere Auszeichnung emp-findet. Bei seiner großen Begabung, sich in die fremdestenMaterien schnell hineinzufinden, wird der Jurist schnell zum