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Oscar Wassermann, ein Sohn Emils, Inhaber dieses auch heutenoch in Berlin angesehenen Bankhauses.
Oscar Wassermann entstammt also einem traditionsreichenHause. Das Bankierblut liegt ihm in den Adern. Am 4. April 1869in Bamberg geboren, tritt er zunächst in das Stammgeschäft derFamilie in Bamberg ein, bis er die Mitleitung der Berliner Filialeübernimmt, die er mehr als zwanzig Jahre innehat. Im Jahre1912 wird er in den Vorstand der Deutschen Bank berufen. DerPrivatbankier wird Großbankdirektor. Nicht nur das Gesichts-feld, auch das Aufgabengebiet Wassermanns wird ein gänzlichanderes: der Mitinhaber eines Privatbankhauses ist der Mit-herrscher im eigenen Reich; der Leiter einer Großbank rückt inden Kreis derer ein, die für die Führung der gesamten Volkswirt-schaft mitverantwortlich sind. Es mag sein, daß gerade diesestrenge Verpflichtung zur Verantwortlichkeit Wassermann ge-reizt hat, als erster die geheiligte Überlieferung zu durchbrechen.Denn er hat sein Amt stets so aufgefaßt, daß er nur den Interessenseines Institutes und damit denen der deutschen Wirtschaft zudienen habe. Er ist damit der Idealtypus des Großbankleiters ge-worden, der immer hinter die Front seines Hauses zurückzu-treten hat. Auch in seinem Äußern erscheint Wassermann mitseinem gewölbten Kopf, den graumelierten Schläfen, dem Knei-fer vor den scharfblickenden Augen, als Verkörperung einesBankleiters. Nüchtern, zurückhaltend, wortkarg, ist er einvollendeter Techniker seines Berufs. Das Künstlerische, Intuitiveist ihm fremd. Dabei besitzt er ein ausgesprochenes Interesse fürdie Kunst. Als Sammler von Werken der orientalischen Antike gilter als ein Assyriologe und Ägyptologe von Rang. Wassermannskühle Überlegung, aber auch sein Pflichtbewußtsein, lehnen diereine Spekulation ab, wollen das allzu starke Betonen des persön-lichen Moments aus dem Geschäft ausgeschaltet wissen.
Wassermann weist darauf hin, er sei nur als Bankfachmannzur Deutschen Bank gekommen, denn es sei damals eine Selten-heit gewesen, wenn ein Jude Direktor einer deutschen Groß-bank geworden sei. Er wird in seiner Bank zunächst die rechteHand des Direktor Mankiewitz und setzt dann die große Tra-dition der Siemens, Steinthal, Wallich und Gwinner ganz be-