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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
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Den Mittelpunkt des VII. Allgemeinen Deutschen Bankier-tages zu Köln bildet der Vortrag überEntwicklungstendenzenin der deutschen Wirtschaft und ihr Einfluß auf die Kapital-bildung, den Jakob Goldschmidt am io. September 1928 hält.

Es ist das erstemal, daß er öffentlich spricht. Louis Hagen, derungekrönte König von Köln, vergleicht sein Auftreten mit demeiner Primadonna. Er selbst ist sich dieses seines ersten Auf-tretens durchaus bewußt. Später erklärt er einmal, trotz allerAufforderungen, die er erhalte, müsse er es ablehnen, aber-mals einen Vortrag zu halten, er könne nicht immer wiederNeues sagen. Denn er spreche höchstens alle dreißig Jahre '

einmal. Man solle sich deshalb für 1958 bei ihm vormerken.

Aus diesen Worten spricht Goldschmidts Überlegenheit, aberauch die starke Zurückhaltung, die er übt. '

Die Gedanken, die er in Köln entwickelt hat, und auf die erin Unterhaltungen gern zurückkommt, bilden den Ausdruckseiner Weltanschauung. Der Vortrag, den er auf dem Bankier-tag hält, versucht so tief in die Probleme der Zeit einzudringen,daß er auch durch den formvollendeten Ausdruck sofort das Ohrder ganzen Versammlung gewinnt. Es ist die Frage an den Kapi-talismus, die Goldschmidt stellt, angeregt durch die Debattenin der letzten Zeit.Ich habe oft die Empfindung gehabt,so erklärt er,daß besonders unser Land alle Vorbedingungenäußerer und innerer Art dazu mitbringt, die Formentwicklungdes Kapitalismus zum besten des Menschenfortschritts organischdurchzuführen. Deutschland sei berufen,die Brücke zwischender kapitalistischen Kultur des europäischen Westens und denneuen Wirtschaftsformen des großen Sowjetstaates zu bilden.

Die kapitalistische Wirtschaft habe ihre Fähigkeit bewiesen, weil '

nur sie Deutschland in die Lage versetzt habe, etwa 20 MillionenMenschen mehr zu ernähren, als unser Boden zur Zeit zu ver-sorgen vermag, und es uns ermöglicht habe, zahlreiche Milliarden 1

an die Kriegsgegner abzuführen. Man müsse zwar anerkennen,daß der staatliche Apparat und seine Organe in den letzten Jah-ren ungewöhnliche Leistungen vollbracht hätten, und es müsse (

auch gesagt werden, daß das Unternehmertum nicht frei vonSchuld und Fehle sei, wenn die öffentliche Hand immer weiter