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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
Seite
270
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sicht blicken zwei scharfe stahlblaue Augen, in einer seltsamenMischung von Skepsis und Herzensgute. Er ist ein sehr gewandterSprecher, der seine Sätze auch in der zwanglosen Unterhaltunggeschickt formuliert und das, was er spricht, in äußerst konzen-trierter Form zum Ausdruck bringt. Hinter jedem Wort stehtdie Stärke seiner Persönlichkeit. Die zarten Hände deuten aufEnergie und Beseeltheit, sie haben etwas stark Künstlerisches ansich und sprechen davon, daß dieser Mann bei aller Logik einKünstler ist. Er betont auch, er sei so arrogant, sich als Künstlerzu betrachten. Deshalb lehnt Goldschmidt den Begriff desWirtschaftsführers ab, weil es in der Wirtschaft nach seiner Auf-fassung keine Führer gebe. Der Führer erinnere allzusehr andie Tage der Obrigkeit. Der wahrhaft große Mann der Wirt-schaft müsse seinen Stimmungen nachgehen und mit Finger-spitzengefühl die Dinge erfassen, um sich bei allem Verant-wortungsbewußtsein als Schöpfer zu bewähren.

Goldschmidt bekennt sich zur Spitzenleistung, denn nur diewahre Individualität vermag zur schöpferischen Persönlichkeitaufzusteigen. Unsere Zeit drängt, so sagt er, zum Kollektivis-mus. Aber die gleiche Zeit, in der nur das Nivellierungsbedürfnisder Masse gilt, führt zur Vergottung des Sporthelden. Der Un-geistige, der sich im Spiel hervortut, wird zum Heros. Gold-schmidt verweist auf das Beispiel Amerikas, wo man auf dieMänner stolz ist, die aus eigener Kraft aufgestiegen seien. Erbekennt sich als Demokrat, aber er erinnert an die Demokratieder Antike, an die Zeit der Führerauslese, in der man demFührer mit dem Vertrauen auch die Gewalt übertragen habe.

Goldschmidt erklärt sich als Gegner einer übertriebenenKonzentrationsbewegung. Er habe sie nur da gefördert, wo sieunbedingt erforderlich gewesen sei. Die Frage, warum er demZusammenschluß der Deutschen Bank mit der Disconto-Gesell-schaft nichts Gleiches entgegengesetzt habe, beantwortet ermit der Bemerkung, daß ihm Machthunger fremd sei. Denn jedeBewegung könne gefährlich werden, wenn sie ihre Grenzenüberschreite. Wie bei der Rationalisierung, komme es auch beijedem Streben nach Konzentration stets auf die richtige Dosis an.

Wirtschaften heißt Geld verdienen, erklärt Goldschmidt. Es