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Juden in der deutschen Wirtschaft / Kurt Zielenziger
Entstehung
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Deutsche gehen nicht zugrunde, so wenigwie die Juden, weil es Individuen sind.(Goethe im Gespräch mit Riemer, 15. März 1808.)

D er Krieg, der eine Weltwende bedeutet, hat neben dengroßen politischen auch wirtschaftliche Umwälzungen vonhöchster Bedeutung geschaffen. Jetzt, da in Deutschland dieletzten Reste des Ghetto endlich gefallen sind, da die völligepolitische Emanzipation erreicht ist, und Juden zu höchstenStaatsstellen aufsteigen können, taucht die Frage auf, wie sichdie wirtschaftliche Zukunft der Juden in Deutschland gestaltensoll. Der Umschichtungsprozeß, der schon vor dem Kriege ein-gesetzt hat, wird durch die Wandlungen in der Struktur derdeutschen Wirtschaft im letzten Jahrzehnt aufs äußerste ver-schärft. Die wirtschaftliche Assimilation der Juden ist stärkerdenn je geworden und damit auch ihre soziale Angleichung.

Wenn Deutschland durch den Krieg große Teile seines Landesabgetreten und damit zehn Prozent seiner Bevölkerung eingebüßthat, so verloren die Juden seitdem zwölf Prozent ihrer Glaubens-genossen durch die Abtretung Posens, Westpreußens, wichtigerTeile Oberschlesiens, vor allem aber auch durch den Verlust desElsaß. Das verkleinerte Deutschland seufzt unter den Lastender Reparationsverpflichtungen, die für alle Deutschen, ganzgleich welchen Glaubens, zu einer drückenden Bürde werden.So kurz der Zeitraum ist, der uns von dem Umsturz trennt, soverschieden waren die wirtschaftlichen Strömungen, die ihn be-herrschten. Unmittelbar nach der Revolution erschallt der Rufnach Sozialisierung. Dann führt die Inflation zur Entthronung18 *