Druckschrift 
Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
Seite
26
Einzelbild herunterladen
 

26

Ultimatum und Zahlungsbilanz

unserer Ausfuhr, die das einzige Mittel zur Abdeckung der uns auf-erlegten Verpflichtungen ist, gleichzeitig diese Verpflichtungen ver-größert. Infolgedessen kann ein Ausgleich unserer Verpflichtungendurch den Ausfuhrüberschuß erst bei einer geradezu phantastischenHöhe unserer Gesamtausfuhr erreicht werden. Selbst wenn man dieBesatzungskosten, die Zahlungen aus dem Clearing-Verkehr, die Zinsenauf die wirtschaftliche Verschuldung Deutschlands usw. ganz außerAnsatz läßt, also nur die sich aus dem Londoner Ultimatum ergebendenReparationsverpflichtungen berücksichtigt, würde eine Steigerungunserer Aussuhr bis auf 27,6 Milliarden Goldmark not-wendig sein, um die feste und die variable Annuität bis zu der Höchst-grenze von 8,280 Millionen Goldmark (5°/° Zinsen und 1°/° Tilgungder 138 Milliarden) zu decken. Die Probe auf das Exempel liegtin der Rechnung, daß ein Ausfuhrüberschuß von 30°/° der Gesamt-ausfuhr bei einer Höhe der letzteren von 27,6 Milliarden Goldmark die8,280Millionen Goldmark ergibt,die zur vollen Deckung der 5°/° Zinsen-r- 1 °/° Tilgung auf die 138 Milliarden der im Londoner Ultimatumfestgelegten Reparationsschuld erforderlich sind. Eine Ausfuhr von27,6 Milliarden Goldmark bedeutet aber mehr als 2 ^2 mal so viel alsder Wert, den die deutsche Ausfuhr im letzten Friedensjahr (1913)erreicht hat. Die Summe der Ausfuhrwerte aller am Welthandel be-teiligte Länder berechnet sich für das Jahr 1913 auf wenig mehrals 80 Milliarden Goldmark. Deutschland würde also etwaVs des Ausfuhrhandels der Welt vom Jahre 1913 für sichallein erreichen müssen, um aus dem dann erzielbarenAusfuhrüberschuß die Verpflichtungen desLondoner Ulti-matums abdecken können. Gegenüber dem Stande derdeutschen Ausfuhr vom Jahre 1920 wäre eine Steigerungauf das bV-fache notwendig.

Eine solche Entwicklung liegt auf viele Jahre hinaus jenseits derGrenzen des Möglichen. Auch wenn eine solche phantastische Stei-gerung der deutschen Ausfuhr möglich wäre, würden sie die Entente-mächte selbst mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Daraus ergibtsich, daß auch die größte Steigerung unserer Gütererzeugung für deuExport, die praktisch überhaupt denkbar ist, nicht entfernt ausreichenwird, um die uns mit dem Londoner Ultimatum auferlegten Ver-pflichtungen erfüllbar zu machen, ganz abgesehen von den anderenoben erwähnten finanziellen Lasten.

Ultimatum und Arbeit.

Auch wenn nur ein bescheidener Teil der Reparationsverpflich-tungen aus laufenden Erträgnissen der deutschen Wirtschaft erfülltwerden soll, ist eine gewaltige Steigerung der deutschen Ar-beitsleistung erforderlich. Deun nur vermehrte Arbeitsleistungkann angesichts des Tiefstandes, auf den unser innerer Verbrauch