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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
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Ultimatum und dcutschc Wirtschaftskraft ^t

ferenz vom März 1921 ausgearbeiteten Denkschrift über den Rück-gang des Verbrauchs lebenswichtiger Waren. Es stellte sichder Verbrauch auf den Kopf der deutschen Bevölkerung in

von Fleisch auf Mehl Zucker Baumwolle Wolle

Wie soll angesichts dieser furchtbaren Zahlen das deutsche Volkvon seinem zusammengeschrumpften Jahreseinkommen zwei Drittel oderauch nur die Hälfte au die Euteute abgeben können?

1913

1920

52

etwa

20

125

"

83

19,2

14,1

7,2

2,3

2,2

1,0

Ultimatum und Reichsfmcmzeu.

Die Unmöglichkeit der Erfüllung der Forderungen des Ulti-matums mußte sich auch aus der Gestaltung des Reichshaushaltsergeben.

Zu der Zeit, als das Ultimatum gestellt wurde, war es uvchuicht gelungen, das Gleichgewicht im inneren Haushalt des Reiches(also abgesehen von allen Ausgaben zur Durchführuug des Friedens-vertrages) auch nur auf dem geduldigen Papier herzustellen. DerReichs-kanzler und Reichsfinanzminister Dr. Wirth bezifferte in seiner erstengroßen Fiuauzrede nach der Annahme des Ultimatums die Ausgabender eigentlichen Reichsverwaltung für das laufende Finanzjahr auf62,7 Milliarden, die für die Betriebsverwaltung (Post und Eisen-bahnen) erforderlichen Zuschüsse auf 18,9 Milliarden, insgesamt alsoden Gesamtbedarf des inneren Haushalts auf 81,6 Milliarden Mark.Die Neichseinnahmen wurden damals auf 55 Milliarden Mark ge-schätzt, sodaß sich allein aus dem inneren Haushalt also ohneBerücksichtigung desBudgets der Kontributionen" ein Fehl-betrag von rund 27 Milliarden Mark ergab. Der Reichs-kanzler entwickelte damals bereits ein umfangreiches Steuerprogramm,das sich im wesentlichen mit den jetzt dem Reichstag vorliegendenSteuervorlagen deckt; nach dessen Durchführung rechnete er für dasReich auf eine Gesamtsteuereinnahme von etwa 80 Milliarden Mark.Also auch nach Durchführung der geplanten neuen Steuern war aneine Balancierung des inneren Etats nur zu denken, wenn es gelangdie Zuschüsse zu den Betriebsverwaltungen energisch abzubauen.Andernfalls blieb auch nach Durchführuug der neuen Steuern keinPfennig für die Zahlungen an die Entente übrig.

Schon bei der Schätzung des inneren Bedarfs war der Reichs-kanzler in jener Rede vom 6. Juli außerordentlich optimistisch. Wenige