Ersiilluugssteueril und Zwangsanlcihe
81
Grundlage würde sich das „Budget der Kontributionen" auf rund250 Milliarden Mark erhöhen.
Von diesem letzteren Betrag würde die Zwaugsanleihe von1 Milliarde Goldmark nur 60 Milliarden Papiermark decken. Un-gedeckt blieben also nach Steuern uud Zwangsanleihenoch rund l90 Milliarden!
Das ist die „Erfüllung" im Lichte der Steuer- und Expro-priationspolitik l
Der Zusammenbruch der Erfüllungspolirik.
Ehe das „Steuerkompromiß" nach schweren Wehen das Lichtder Welt erblickte, war ein Ereignis eingetreten, das den Zusammeu-bruch der Erfüllungspolitik besiegelte.
Der Reichskanzler Dr. Wirth als Träger der Erfüllungspolitikhat, das muß ihm auch der Gegner lassen, alles getan, um denZusammenbruch so lange wie möglich hinauszuschieben oder ihnwenigstens solange wie möglich nicht in Erscheinung treten zu lassen.Er war, wie wir gesehen haben, sogar bereit, auch das deutschePrivateigentum au den nationalen Produktionsmittelnim Wege der erzwungenen „Kredithilfe" in das „Faß ohne Boden",- wie er felbst in einer Anwandlung richtiger Erkenntnis die„Reparation" bezeichnet hat, — hineinzuwerfen. Es ist nicht sein Ver-dienst, wenn dieser ungeheuerliche Anschlag auf unseren letzten Schutz vorkapitalistischer Fremdherrschaft vorläufig noch nicht zur Durchführunggekommen ist. Unsere Rettung war einzig und allein, daß sich imAuslande niemand fand, der sich bereit zeigte, uns gegen die von HerrnDr. Wirth angebotene Verpfändung der deutschen Wirtschaft die für dieFortsetzung der Erfüllungspolitik notwendigen Kredite zu gewähren.
Diese Verweigerung der Erfüllungskredite durch die englischen undamerikanischen Finanzkreise bedeutet das Ende der Erfüllungs-politik. Daß Deutschland aus eigener Kraft das Londoner Ultimatumnicht erfüllen konnte, stand für jeden einsichtigen und mit den Ver-hältnissen seines Vaterlandes vertrauten Deutschen schon in demAugenblicke fest, in dem uns das Ultimatum gestellt wurde. Auch sürdie Optimisten uud Illusionisten mußte es bei dem ersten Ersüllungs-versuch spätestens im Laufe des Monats Jnli 1921 klargeworden sein,als sich die Notwendigkeit ergab, in großen Beträgen kurzfristige Aus-landskredite zu schweren Bedingungen für die Abtragung der erstenGoldmilliarde in Anspruch zu nehmen. Sogar die Blinden mußtensehend werden, als infolge des ersten Erfüllnngsversuches die deutscheValuta aus eiu Fünftel ihres Standes zur Zeit der Annahme desUltimatums zusammenbrach. Jetzt aber enthüllte die Absage der Bankvon England , daß auf neue Anslandskredite zur Fortsetzung derErfüllungspolitik bei eiuem Fortbestand des Londoner Zahlungsplanesunter keinen Umständen und in keiner Form gerechnet werden konnte.