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Der ErMungsversuch
Rund 60» Millionen mußten also durch Inanspruchnahme vonReserven, die in der Vergangenheit angesammelt worden waren, oderdurch kurzfristige Kredite aufgebracht werden. Nicht viel mehr als400 Millionen Goldmark konnten im Wege des normalen Devisen-aufkaufs verfügbar gemacht werden, und auch das war nur möglich,weil andere Stellen, wie oben erwähnt, bis zu einer Höhe vonnahezu 200 Millionen Goldmark dem Reiche auf dem Devisenmarkteden Vortritt ließen und sich ihrerseits im Ausland verschuldeten.
Im Wege normaler und laufender Devisenbeschaffung sind alsovon der ersten Goldmilliarde in den 4 Monaten von Mai bisAugust 1921 nicht viel mehr als 200 Millionen Goldmark auf-gebracht worden.
Die „Erfolge" der Erfüllungspolitik.
Trotzdem die Regierung alles tat um die Öffentlichkeit über denwirklichen Ernst der Lage hinwegzutäuschen, war die Wirkung diesesersten Erfüllungsversuches auf die deutsche Valuta geradezu ver-heerend.
Als der Staatssekretär Dr. Hirsch in der ersten Maihälfte 1921seiner stolzen Zuversicht in die günstige Entwicklung der deutschenValuta Ausdruck gab, stand der Dollar ans 62 Der Außenwertder deutschen Papiermark war also etwa Vio Goldmark. Als derReichskanzler Dr. Wirth am 6. Juli 1921 den Außenwert desdeutschen Geldes auf V" seines ursprünglichen Goldwertes „heran-wachsen" sah und das Wort von der deutschen „Groschenwüh-rnng" sprach, war der Kurs des Dollar bereits auf 75 gestiegen,der Außenwert des deutschen Geldes also auf weniger als ^/is seinesursprünglichen Goldwertes gesunken. Am 1. September 1921, amTage nach der Zahlung der ersten Goldmilliarde, notierte der Dollarin Berlin 85-^5, der Außenwert des deutschen Geldes war also nurnoch seines Goldwertes.
Nach dem Londoner Zahluugsplau sollte nun eine Zahlungs-pause bis zum 15. November eintreten; an jenem Tage war erst-malig die Quartalsrate der variablen Annuität von 26°/° des Wertesder deutschen Ausfuhr zu entrichten. Für diese Fälligkeit brauchteman sich nicht allzugroße Sorgen zu machen, denn für ihre Ab-deckung stand der seit dem Monat Mai aufgelaufene Gegenwert derdeutschen Sachleistungen an die Ententestaaten, vor allem der rechtbeträchtlichen Kohlenliefernngen, zur Verfügung. Allgemein erwarteteman deshalb, daß jetzt eine gewisse Erholung der deutschen Valutaeintreten werde. Aber diese Hoffnung erwies sich als trügerisch.Sie beruhte auf der Unkenntnis, in der die Geschäftswelt und dasPublikum über den tatsächlichen Hergang bei der Zahlung der erstenGoldmilliarde gehalten worden waren. Da die für die Abdeckung derersten Goldmilliarde aufgenommenen umfangreichen Auslandskredite