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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
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ttltmmlllm und Vermögcnssubstanz

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Betrag der äußerstenfalls aus dem am leichtesten zu mobilisierendenTeil des deutschen Nolksvermögens herausgepreßt werden kann, aufnicht viel mehr als zwei Milliarden Goldmark, also aufweniger als eine einzige Jahresrate des Londoner Ultimatums geschütztAuch die Bereitwilligkeit, das deutsche Privateigentuman nationalen Produktionsmitteln dem Auslande auszu-liefern, konnte also das Ultimatum nicht erfüllbar machen.

Die Unterwerfung unter das Ultimatum. -

Wenn allen diesen Tatsachen zum Trotz das Ultimatuni--an-genommen und der Versuch zu seiner Durchführung gemacht wurde,so mußte das, wie vorauszusehen war, und mit allem Nachdruckvorausgesagt worden ist, in kurzer Zeit den Zusammenbruch derdeutschen Valuta zur unmittelbaren Folge haben. Die mit derAnnahme des Ultimatums und mit dem Erfüllungsversuch für dieReichsregierung eintretenden Notwendigkeit, fortgesetzt Golddevisen ingewaltigen Beträgen zu kaufen, mußte dazu führen, den Kurs derausländischen Zahlungsmittel in die Höhe zu treiben und den Standder deutschen Valuta entsprechend herabzudrücken. Bei dem ungeheuerenAusmaß in dem die Forderungen des Ultimatums die deutsche Leistungs-fähigkeit überschritten, konnte nur eine Katastrophe der deutschenValuta die Folge des Erfüllungsversuches seiu. Diese unmittel-bare Folge wenigstens hätten auch Politiker von überdurchschnittlicherKurzsichtigkeit voraussehen müssen.

Gegenüber den Stimmen, die bei den Beratungen über Annahmeoder Ablehnung des Ultimatums den Sturz der deutschen Valutains Bodenlose in sichere Aussicht stellten, zeigten die Vertreterder Reichsregierung einen Optimismus, wie er nur bei einem vonkeiner Sachkenntnis getrübten Urteil erklärlich ist. Es wird demStaatssekretär des Reichswirtschaftsamtes Dr. Hirsch unvergessenbleiben, daß er die ernsten Warnungen vor den Folgen der Unter-zeichnung als unbegründet hinstellte; daß er vielmehr in Aussichtstellte, die Annahme des Ultimatums durch Deutschland werde einesolcheEntspannung der politischen Atmosphäre" herbeiführen, daßmit einer Steigerung der deutschen Valuta gerechnet werdenkönne; daß er schließlich die zum geflügelten Wort gewordene Äuße-rung von sich gab: wir verfügten über ein solchesFettpolster vonDevisen", daß unsere Valuta schon einen Puff vertragen könne.

Auch der Reichskanzler Dr. Wirth ist noch am k. Juli 1921,als der Zusammenbruch unserer Valuta schon begonnen hatte, beiseiner oben (S.. 21/22) zitierten Berechnung unseres Geldbedarfs für dieDeckung der Ültimatumsverpflichtungen von der Voraussetzung aus-gegangen, daß derAußenwert des Geldes" an seinenJnnenwert",den er für die Papiermark auf ^/i» der Gold mark annahm,heranwachsen" werde.

Hclsjcrl-Ii, PoUli! der (kri«ttu»g, 3