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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
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Ultimatum und Arbeit

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herabgesunken ist und der eine weitere Einschränkung von irgend-welcher Bedeutung nicht mehr verträgt, unsere Ausfuhr nennenswertgehoben werden.

Allein schon die physische Arbeitsfähigkeit des deutschen Arbeiters hat durch die Entbehrungen des Krieges und die Leidender Hungerblockade von Verstümmelungen und Krankheitsfolgenganz abgesehen eine starke Verminderung erlitten. Dazu kommendie Einschränkungen der Arbeitszeit und die Verminderungder Arbeitswilligkeit, wie sie aus dem durch die Revolutiongeschaffenen Geisteszustande erwachsen sind. Als schlagendes Beispielfür das Nachlassen der Ergiebigkeit der deutschen Arbeit sei die Ent-wicklung des rheinisch-westfälischen Kohlenbergbaues ange-führt: Im Januar 1913 stellte sich die Belegschaft auf 407 000 Köpfe,die arbeitstägliche Kohlenförderung auf 389000 Tonnen, die Förderungpro Kopf und Arbeitstag also auf 957 k»-; im Januar 1922 dagegenförderte eine Belegschaft von 561 000 Mann arbeitstäglich nur322 000 Tonnen, also pro Kopf und Arbeitstag nur 574^'. DieArbeitsleistung pro Kopf ist also gegenüber der Vor-kriegszeit um rund 40 vom Hundert zurückgegangen:

Die von der deutschen Regierung berufeneu Sachverständigenhaben in ihrer für die Londoner Konferenz vom März 1921 ausge-arbeiteten Denkschrift die Verlängerung der Arbeitszeit als dasletzte Mittel der Erfüllung der uns auferlegten Reparationsverpflich-tungen bezeichnet.Um die von Deutschland gefordertenLeistungen so heißt es dort zu erfüllen, müßte, wennalle Voraussetzungen hinsichtlich der Produktionsmittel,der Rohstoffe, der Absatzmöglich keit und des Kapitals ge-geben wären und wenn die stündliche Arbeitsleistung undder Staud der Technik nicht sinken, die Arbeitszeit desdeutschen Arbeiters von 8 auf 14 Stunden erhöht werden."

Zwar hat der Reichskanzler 1)r. Wirth nach der Annahme desUltimatums das Schlagwort in Kurs gesetzt:Durch Arbeit zurFreiheit!" Aber Herr vr. Wirth würde wohl selbst am meistenerschrecken, wenn man ihm zutrauen sollte, daß er die Konsequenzaus diesem Schlagwort zieht.

Ultimatum und Vermögenssübstanz.

Wenn Deutschland nicht über das Gold verfügt, das für dieZahlung der Reparationsverpflichtuugen erforderlich ist, und wenn diedeutsche Volkswirtschaft nicht imstande ist, auch nur annähernd einenAusfuhrüberschuß zu liefern, wie er für die Erfüllung des LondonerUltimatums notwendig wäre, so bleibt für die Erfüllung über diesebegrenzten Möglichkeiten hinaus nur noch ein weiteres Mittel: DieAuslieferung der Substanz unseres Volksvermögens andie Ententemächte.