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Die Politik der Erfüllung / von Karl Helfferich
Seite
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Die Kreditciktion der deutschen Industrie

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gebung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes und des All-gemeinen Freien Angestelltenbundes sofort als eineProvokation dergesamten werktätigen Bevölkerung" bezeichnet. Die sozialistische Pressetobte. DieFreiheit" schrieb:

Größenwahnsinnige Despoten, betrunken durch ihre Macht, liegenauf der Lauer, alles was an Arbeit, an Fleiß, au Streben vorhandenist, sich, nur sich allein dienstbar zu machen. Das kann uud darf esnicht geben! Schärfster, rücksichtslosester, entschlossenster Kampf dergesamten Arbeiterklasse gegen solche Pläne muß die Antwort sein."

Aber auch Herr Bernhard schrieb in seinerBossischeu Zeitung":

Die Industrie muß jetzt von der Regierung vor die Wahl gestelltwerden: entweder die Kreditaktion unter vernünftigen Garantien durch-zuführen, oder sich diejenigen Steuergesetze gefallen zu lassen, die iuErmangelung einer Kreditaktion zur Erfassung wesentlicher Teile derBesitzesmaterie notwendig sind. Die deutsche Industrie selbst hat dieDinge so auf die Spitze getrieben, daß eine andere Alternative kaumnoch möglich erscheint."

Man kann zweifeln, ob das Vorgehen des Reichsverbandes taktischklug war. Es bot der sozialistischen Agitation zu leichte Handhabensür die Darstellung, als ob das große industrielle Unternehmertumdie Not des Reiches benutzen wolle, um sich des wertvollsten Reichs-besitzes, der Eisenbahnen zu bemächtigen. Die sachliche Berechtigung derForderung, daß mit einer Inanspruchnahme des privaten Kredites derdeutschen Wirtschaft eine Sanierung der eigenen Betriebe des Reichesernstlich und auf Erfolg versprechendem Wege in Angriff genommenwerden müsse, schlug bei der Geistesverfassung des deutschen Volkesnicht durch. Das war vorauszusehen und hätte vom Präsidium desReichsverbandes in Rechnung gestellt werden müssen, ehe man sich durchgeschickte Dialektiker auf das Glatteis derKredithilfe" führen ließ.

Wenn nun die Frage der Kreditaktion auf ein totes Gleis kam,so lag das nicht nur an den vom Reichsverband gestellten Bedingungenund dem Widerstand, dem diese bei den Linksparteien begegneten, sondernmindestens ebensosehr an dem Ergebnis von Sondierungen, die beiden in Betracht kommenden ausländischen Geldgebern versuchtworden waren. Dieses Ergebnis war für diePolitik der Erfüllung"schlechthin niederschmetternd.

In der zweiten Novemberhälfte stand es mit den Rep aratio ns-zahlungeu folgendermaßen:

Die am 15. November fällig gewordene Quartalsrate der26 Prozent unseres Ausfuhrwertes war von dem Garantiekvmiteeauf 250 Millionen Goldmark festgesetzt worden. Daraus war zu ver-rechnen der Wert der in den 6 Monaten Mai bis Oktober bewirktendeutschen Lieferungen an die Entente, die den enttäuschend niedrigenBetrag von nur 275 Millionen Goldmark erbrachten. Es blieb alsonur ein Überschuß von 25 Millionen Goldmark für die am 15. Januarfällige Rate in Höhe von 500 Millionen Goldmark. Hierzu kamen