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Die Strategen der Erfüllungspolitik zogen aus ihrem ungeheuer-lichen Irrtum nur die Folgerung, daß es gelte, für das Verhängniseine beschönigende Formel zu finden. Erfülluugspolitik solltejetzt bedeuten: durch den Versuch der Erfüllung die Unmöglichkeitder Erfüllung zn beweisen.
Man pochte auf „Erfolge." Herr l)r. Rathenau, der Ver-trauensmann und dann der auswärtige Minister des Erfüllungs-kanzlers würde von Engländern und Franzosen höflich und fast alsgleichberechtigt behandelt. Das Verdienst seiner Novemberreise nachLondon soll es gewesen sein, daß die maßgebenden PersönlichkeitenEnglands die Undurchführbarkeit des Londoner Ultimatums erkannthätten. Sein Verdienst soll es gewesen sein, daß in dem Dezember-brief der Bank von England Deutschland, solange die Londoner Bedingungen bestehen, für kreditunfähig erklärt wurde, sein Verdienstdie Aussicht auf ein Moratorium, auf ein internationales Konsortiumfür den Wiederaufbau — Rußlands , sein Verdienst die Versöhnungs-konferenz von Genua zur „Untersuchung der Ursachen der allgemeinenWelterkrankung."
Auf den Versöhuuugs- und Wiederaufbauwillen deranderen hat das Kabinett Wirth-Rathenan alle seine Pläne undVerhandlungen eiugestellt. Auf den Versöhnungs- nnd Wiederaufbau-willen der anderen war die Note vom 28. Januar an die Repara-tionskommission gemünzt, in der die „Politik des Unmöglichen"auf die Spitze getrieben wurde: zwar sei Deutschland mindestens fürdas Jahr 1922 zu irgendwelchen erheblichen Leistungen außerstande,aber trotzdem sei die deutsche Negierung bereit, „selbst die schwerstenBedenken für die deutsche Wirtschaft und die Finanzen des Reicheshinter die politischen Notwendigkeiten zurückzustellen."
Was sind die politischen Notwendigkeiten? Nichts anderesals das, was die Raffgier der Ententeregierungen aus uns heraus-zupressen für gut hält.
Die Antwort der Reparationskommission, datiert vom22. März, dem 125. Geburtstage Kaiser Wilhelms I., ist die Quittungauf dieses Augebot der Unterwerfnng unter diese „politischen Not-wendigkeiten."
Die Reparationskommission kassiert als Selbstverständlichkeit ein,was das Kabinett Wirth-Rathenau in der Note vom 28. Januar anBar- und Sachleistungen sür 1922 — entgegen bestimmten Er-klärungen, die sie besorgten Fragestellern abgegeben hatte, - in nurschlecht verhüllter Form direkt angeboten hat: 720 MillionenGoldmark in Devisen und 1450 Millionen in Sachleistungen.
Aber die Reparationskommission verlangt gleichzeitig für dieErfüllung konkrete Sicherheiten.
Sie rechnet aus dem deutschen Hanshaltsvorschlag nach, daßdie Deckung für das dentsche Angebot nicht vorhanden ist. Hatnicht der Erfüllungskanzler in seiner Sünden Maienblüte gesagt,daß die „laufenden Kontributionen durch laufende Ein-
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