215
einzelnen Wirtlien angebahnt; erst später, nachdem der Werthder Neuerung auch der Mehrheit der Genossen klar gewordenist, sieht sieh die Gemeinschaft gezwungen, gegen die rück-ständigen Wirte, rvelchc an der alten Wirtschaftsweise immernoch halten, vorzugehen; es wird dann etwa die Dreifelder-wirtschaft obligatorisch gemacht und Strafe für Abweichungvon derselben angedroht.
Es sind nur vereinzelte Fälle bekannt, wo auch die Initia-tive der Reform von der Gemeinschaft ausgegangen ist. Indiesen Fällen wird wohl die betreffende Gemeinschaft die Vor-züge der neuen Wirtschaftsweise bei vorgeschritteneren Nach-barn kennen gelernt haben. So theilt z. B. Al. Kaufmann mit,dass im Turin’schon Kreise des Gouv. Tobolsk mehrere Gemein-schaften das Experiment der Einführung der Dreifelderwirt-schaft mit Flurzwang auf einem Theile ihrer Gemarkungen vor-genommen haben. In diesem Gebiete ist freilich die Dreifelder-wirtschaft. bereits ziemlich stark verbreitet,
§ 7. Uobor die Anpassung der Feldgemeinschaft an Felder-wirthschaft überhaupt brauche ich hier nicht viel zu reden, daoben (im ersten Abschnitte) hauptsächlich Beobachtungen überDreifelderwirtschaft herbeigezogen sind und die Zahl der Felder,ob drei oder zwei oder mehr als drei, für die Gestaltung derFeldgemeinschaft sehr wenig bedeutet. Es sei also nur aus-drücklich erwähnt, dass man vielfach Feldgemeinschaften, nament-lich des Mir-Typus, antrifft, welche auch ein-, zwei-, vier- undmehrfeldrige Systeme anwenden, wobei allerdings die mehr alsvierfeldrigen Wirtschaftssysteme vom genauen Begriffe derFeld erwirtschaft meistens abweichen, indem sie sich mehr oderweniger dem Fruchtwechsel nähern.
Dagegen verdienen manche sich im Rahmen der Feld er-wirtschaft vollziehende Aenderungen in der Wirtschaftsweiseunsere Aufmerksamkeit im höchsten Grade, da liiebei die Fähig-keit der Feldgemeinschaft, sich veränderten Wirthschaftsverhält-nissen anzupassen, besonders klar zum Vorschein kommt. DreierleiVorgänge müssen wir dabei berücksichtigen: Veränderungenin der Bestellungstechnik unter Beibehaltung der Felderzahl und