150 II. GESCHICHTLICHE ENTWICKLUNG DER FELDGEMEINSCHAFT.
demselben Endpunkte zusammenlaufen, sondern häufig je weiterdesto mehr auseinandergehen, bis zu einer Grenze freilich, überdie hinaus die Plasticität der menschlichen Natur versagt.“
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ZUSAMMENGESETZTE FELDGEMEINSCHAFTEN.
§ 1. Das Streben, um jeden Preis allgemeine Entwicklungs-gesetze aufzustellen, hat sich auch in die Frage der zusammen-gesetzten Feldgemeinschaften eingedrängt. Wiederum unter demEinflüsse der Ideen Maurer’s hat man gesucht, alle Thatsachender geschichtlichen Entwicklung der grossen feldgemeinschaft-lichen Verbände unter dem Standpunkte der allmählichen Zer-setzung der Markgemeinschaft zusammenzufassen.
Für Laveleye, den beredtesten Wortführer dieser Pachtung,ist die weitumfassende Mark der Ausgangspunkt der Entwick-lung; damit fängt für ihn die Geschichte der Feldgemeinschaftund mit ihr beinahe die Geschichte der Menschheit an, da ihmder agrarische Commwnismus als der Urzustand gilt. Die Ent-wicklung besteht in der allmählich immer weiter greifendenAuflösung des ursprünglichen umfangreichen Verbandes: dieMarkgemeinschaft zerfällt in einzelne Dorfgemeinschafteil; imSchoosse derselben bilden sich engere Kreise der Hausgemein-schaften, welche • dann die sie zusammenhaltende Dorfgemein-schaft sprengen, um sich späte:' selber in kleine Familien desmodernen Typus aufzulösen.
Es ist nun nicht zu leugnen, dass Beispiele der so ver-laufenden Entwicklung angeführt werden können. Es sind aberauch Fälle beobachtet worden, wo der Verlauf des Processesein ganz anderer ist, wo wir also den umfangreichen Verbandnicht als Ausgangspunkt treffen, sondern ihn erst vor unserenAugen entstehen sehen. Die Aufgabe der wissenschaftlichenForschung ist demnach auch in dieser Frage, die verschiedenenGestaltungen der Entwicklung festzustellen und die Verschieden-