1. EINFACHE FELDGEMEINSCHAFTEN.
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Schaft im Stande, sich den Anforderungen der einen grösserenSpielraum beanspruchenden Individualität anzupassen; das feld-gemeinschaftliche Princip ist zu Umgestaltungen fällig, in Avelchenes sich in dieser Beziehung kaum mehr von den land wirth-schaftlichen Genossenschaften unterscheidet — diesem aller-modernsten Produkte der agrarischen Entwicklung gerade derVölkerschaften, die kaum von Jemand wogen schwacher Aus-bildung der Individualität angeklagt werden. Hiermit soll aberselbstverständlich nur gesagt sein, dass es nicht notlrwendig inder Natur der Feldgemeinschaft liegt, einer individualistischenAuflösung zu verfallen; es soll aber nicht behauptet werden,dass eine solche individualistische Auflösung, insbesondere inRussland , ausgeschlossen sei.
Wir können also unser Schlussurtheil fornndiren. DieFeldgemeinschaft kann sich in der Richtung des absterbendencommunistisclien Princips entwickeln, sie muss es aber nicht.Ebenso wohl kann sie auch in der entgegengesetzten Richtung,nämlich zur Erstarkung des feldgemeinscliaftlichen Momentes,fortschreiten. Es gibt keine Kräfte, welche der Entwicklungeine der beiden Richtungen mit innerlicher Nothwendigkeit auf-drängen müssten oder könnten. Der thatsächliche Gang desProcesses wird erst durch die ganze Masse der jeweiligen wirtli-schaftlichen, politischen und psychologischen Momente, welcheder einen Partei zum Sieg verhelfen, eindeutig bestimmt. Esdarf dabei nicht einmal der Sieg der unteren Schichten derBevölkerung mit dem Siege des communistisclien Princips inder Verfassung identificirt werden; es gibt Verhältnisse, wogerade die Auflösung der Gemeinschaft zum Ziel der Bestrebimgender unteren Klassen wird; in der Schweiz und auch in Frank-reich waren es zuweilen gerade die minder Berechtigten, dieeine endgiltige Auftheilung der Allmend forderten. Auch darinbewährt sich das Bild von Tarde: ,,Die Geschichte ist nichtwie eine gerade Strasse ; sie ist ein Netz von gewundenen, fort-während einander durchkreuzenden Wegen. Auf jedem Schrittebieten sich der Entwicklung zrvei oder drei Wege dar, die starkvon einander abweichen und nicht einmal immer an einem und