DIE FELDGEMEINSCHAFT IN IHRER AN-PASSUNG AN BESTEHENDE VERHÄLTNISSE.
Von vielen Forschern wird die Feldgemeinschaft als etwasLebloses, Starres und jede Bewegung Ausschliessendes dargestelltDer' Agrarhistoriker zollt ihr seinen Dank für treue Aufbe-wahrung der uralten ländlichen socialen Ordnung und derProductionstechnik der alten Zeiten; der Agrarpolitiker machtihre conservative Kraft für den technischen Stillstand in derLandwirtschaft verantwortlich und der Socialpolitiker begrüsstin ihr den sicheren Damm gegen die Differenzirung und Prole-tarisirung der ländlichen Bevölkerung. Diese Auffassung, ent-sprungen aus einseitigen apriorischen Ueberlegungen und wenigumfassenden Beobachtungen, lässt sich angesichts der neuerenErfahrungen nicht aufrecht erhalten. Die feldgemeinschaftlicheEigenthumsordnung, wie wir sie jetzt in ihren mannigfaltigenGestaltungen kennen, lässt sich nur von der Plasticität, nichtvon der Starrheit dieser Verfassungen aus begreifen. Im zweitenAbschnitte dieser Arbeit haben wir bereits die Flüssigkeit derinneren Structur der Feldgemeinschaft aus der Vielgestaltigkeitihrer Entwicklung kennen gelernt; aus dem ersten Abschnittehaben wir entnehmen können, dass sogar der Zustand des schein-baren Stillstandes in der inneren Entwicklung nur als ein mehroder weniger stabiles Gleichgewicht der im steten Kampfe be-griffenen socialen Kräfte aufzufassen ist. Von noch grössererBedeutung für die hier vertretene Auffassung ist jedoch die