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ANHANG III.
schritteneren Wirthen aus der Neuverloosung nicht viel Schadenerwächst. An dieser Stelle genügt der blosse Hinweis auf diesemögliche Wirkungsweise der Neuverloosungen. Ihre Bedeutungfür die Frage nach der Häufigkeit der Neuverloosungen liegtdarin, dass in den Gemeinschaften, wo die Unsicherheit desBesitzes als besonders lästig empfunden wird, eine starke Parteigegen die Neuverloosung sich constituirt, und diese Maassregeiceteris paribus seltener stattfindet, als unter solchen Verhält-nissen, wo man unter der Unsicherheit des Besitzes nicht leidet.So werden z. B. in den Gemeinschaften, wo die Düngung desBrachfeldes erst anfängt und noch nicht allgemein verbreitetist, die Neuverloosungen als grosses Hemmniss empfunden undmeistens in viel grösseren Zwischenräumen vorgenommen, alsda, wo die Düngung gar nicht üblich ist. oder bereits allgemeinherrscht, und auch als in denselben Gemeinschaften früher,ehe die Neuerung sicli zu verbreiten angefangen hatte; manch-mal werden sie in solchen Gemeinschaften sogar ganz aufgehoben.In gleicher Weise werden die Neuverloosungen solcher Theileder Gemarkung, auf welche mehr Kapital und Arbeit aufge-wendet ist, verhältnissmässig selten vorgenommen; charak-teristisch ist m dieser Beziehung, dass die Wiesen in der Kegeljährlich umget.heilt werden, dass hingegen das Ackerland niemalsjährlichen Neuverloosungen unterworfen, sondern stets wenigstensauf die Dauer eines Wirthschaftsturnus, meistens aber auf längereZeit in denselben Händen gelassen wird. Aus diesem Grundewerden ferner bei schwerem Boden Neuverloosungen seltenervorgenommen als bei leichtem. Unter Umständen kann aberdieses Motiv umgekehrt zu häufigeren Neuverloosungen Anlassgeben: wir haben bereits Fälle kennen gelernt, wo die Unsicher-heit des Besitzes als etwas Erstrebenswerthes erscheint undNeuverloosungen vorgenommen werden gerade mit der Absicht,dem Besitze die Sicherheit zu rauben' (vgl. oben S. 54—55).Es hat nämlich überhaupt die Bildung der Partei gegen dieNeuverloosung das Entstehen der 'Partei für dieselbe zum Correlat.Haben die Einen was bei der Neuverloosung zu verlieren, sohaben die Anderen was dabei zu gewinnen, und umgekehrt,