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Gesellschaftsordnung wurzelnden Unterschied zwischen Arbeitgebernund Arbeitern in ihren kommunistischen Kooperativgenossenschaften zuBrei zerstampft haben werden. Bis dahin läuft aber wohl nochmancher Tropfen Wasser den Rhein hinunter, so daß wir solchePhantasmagorien hier außer Rechnung lassen dürfen. Eine auf-richtige Einigung zwischen Arbeitgebern und Arbeitern, die segens-reich wirken soll, darf nicht ans Illusionen aufgebaut werden nndauch nicht darauf hinsteuern, solche Verhältnisse auflösen oder Rechtebeseitigen zu wollen, die in der Natur der Dinge und im Begriff desEigenthums liegcu. DaS Arbeitsverhältniß ist kein Kompagniegeschäftmit gleichberechtigten Theilhabern, wie es die Sozialdemokraten er-streben; der Arbeitgeber ist es, der sein Kapital und seine Kenntnissezur Leitung des Unternehmens hergicbt, der die Arbeiter einladet, inseine Dienste zu treten und welcher — und hierin liegt die QuelleseiueS Uebergewichts — den Arbeitsvertrag knüpft und löst. Arbeiter-schmeichler mögen dies Verhältniß anders darstellen und die reinmenschliche und politische Gleichberechtigung auch auf Geschäfts-beziehuugen ausgedehnt sehen wollen; der vernünftige Arbeiter aberthut wohl und kommt am weitesten, wenn er sich keine Illu-sionen über seine abhängige Stellung macht und sich auchnicht darüber hinwegzutäuschen sucht, weil er einmal, im Znsammen-fluß außergewöhnlicher Umstände, der freien Entschließung der Arbeit-geber ein Zugeständnis; abgerungen hat. Ans Gewalt und Zwang,auf Streiks als organische Institutionen die Hoffnung auf dauerndeErfolge für materielle und soziale Besserung seiner Lage und aufgrößere Erfolge als friedlich zu erreichen sind, aufbauen zu wollen,ist die gefährlichste Illusion, welcher sich der Arbeiter hingeben kann.Das Bewußtsein der relativen Schwäche ist viel heilsamer als dieEinbildung der Ueberlegeuheit. Die Arbeiterverbindungen können auffriedlichem Wege großen Einfluß gewinnen, aber die Arbeitgeber zuihren Füßen legen, ihnen Gesetze diktiren, daS können sie nicht.Handelt es sich um die reine Machtfrage, fo wird der Arbeiter stets,trotz aller Koalitionen, den Kürzeren ziehen.
Liegt aber etwa in dieser Abhängigkeit des Arbeiters etwasseine Menschenwürde Verletzendes, etwas Ungehöriges, das abgeschütteltwerden müßte? Existiren diese Abhängigkeiten nicht in unserem ganzen