Print 
Soziale Tagesfragen / von Wilhelm Oechelhaeuser
Place and Date of Creation
Page
81
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

Gesellschaftsbau, in allen Verhältnissen zwischen den einzelnen BolkS-nnd Bernfsklassen, und zwar vielfach in weit stärkeren! Grade alszwischen Arbeitern und Arbeitgebern? Diese Abhängigkeiten abermöglichst zn mildern nnd der Willkür zu entziehen, die individuelleFreiheit so wenig als eS die Natur deS gewählten Berufes und dereiugegaugeuen Beziehungen mit sich bringt, beschränkt, die BerusS-verpslichtnngen mit berechtigten Forderungen der Lebenshaltung, derFamilie, der Gewohnheiten, der Gesundheit n, s. w. in Einklang ge-bracht zn sehen, dies alles sind berechtigte nnd dem Geist der Zeitentsprechende Anforderungen, die auch der Stand offen anerkennensoll, gegen dessen bisherige unbeschränkte Stellung sie sich richten.Und dieses ist auch das weite Gebiet, auf dem die hier in Redestehenden Arbeitervertretuugen ihre Aufgaben suchen nnd den Arbeit-gebern gegenüber friedlich lösen sollen. Ist doch der moralische Ein-fluß, den der Mensch ans den Menschen ansübt, ein größerer vielleichtnoch, als der formal durch Gesetz oder Bertrag geregelte! Und nichtslohut sich dem Arbeitgeber mehr, als wenn er die Hebnng des Ehr-gefühls der Arbeiter erstrebt und seiue Autorität nicht ans Sklaven-gehorsam aufzubauen sucht.

So ist unsere Auffassung von dem Wesen nnd der Bedeutungder Arbeitervertretnngen. Sie auf solchen Weg zu leiten und insolchen Schranken zn halten ist nnn die Hauptaufgabe deS Arbeit-gebers. Und alle bisherige Erfahrung mit diesen Institutionenlehrt, daß diese Ausgabe, bei nachhaltigem gntem Willen sehr wohlerfüllbar ist, und daß die Arbeiter sich nni so weniger zu Uebergriffenversucht fühlen, je offener nnd vertrauensvoller mau ihueu entgegen-kommt. Dem Arbeiter werden keine konstitutionellen Rechte verbrieft,aber cS wird ihm die Bahn geöffnet, sich einen weitgehenden mora-lischen Einfluß zu erobern, dessen Erfolg kein anderer als die fort-schreitende Besserung seiner Stellung und Lage seiu kann.

Bei der hier entwickelten Auffassung von den Ausgaben derArbeitervertretnngen und ihren durch die Natur des Arbcitsverhält-nisseS gezogenen Schranken, bedarf es der Erwähnung kaum, daßwir uns dieselben keineswegs als Conventikel für den Anstrag vonLohnstreitigkeiten, oder für permanentes Drängen auf erhöhteLöhne deukeu, wie dieS manche Arbeitgeber vielleicht fürchten. Noch

O e ch c l h a c» s c r, Zcigcoirageii. 2, Aufl.' 6