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Soziale Tagesfragen / von Wilhelm Oechelhaeuser
Entstehung
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83
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zuläßt, zu gestalten, überhaupt billigen Wünschen der Arbeiter ent-gegenzukommen und seine eigenen vorgefaßten Meinungen zu be-richtigen.

Solche günstigen Erfolge können allerdings nur ganz all-mählig reifen. ES wäre lächerlich, von der bloßen formalen Grün-dung von ArbeiterauSschüsscu sofort eine greifbar günstige Wirkungfür den sozialen Frieden eiues beunruhigten Bezirks, überhaupt nurein freudiges Entgegenkommen der Arbeiter erwarten zu wollen; dasherrschende Mißtrauen wird dieS nicht zulassen. Es bedarf einer un-verdrossen fortgesetzten Bemühung, bis die Arbeiter sich allmählig von

^ den aufrichtigeu Absichten der Arbeitgeber und von den günstigen Er-

folgen dieser Institutionen für Förderung ihrer Wünsche uud Interessenüberzeugen. Der Arbeitgeber, welcher diesen Erziehuugsprozeß nichtmit Geduld und Ausdauer durchsühreu will, der hierbei die richtigenOrgane denn auf Persönlichkeiten kommt alles an nicht zuwählen oder zu findeu weiß, der lasse lieber die Haud vou Versuchen,die schließlich nur zur Wiederauflösung der Institution führen unddie Verstimmungen verschärfen würden.") Die Aktiengesell-

-> schafteu und Gewerkschaften, in deren Organismus ohnedies das

subjektive Band zurücktritt, werden insbesondere verdoppelte Auf-

Eine» interessanten Beleg von dein Mißtrauen oder der Gleich-gültigkeit, welche die Arbeiter häufig den Bemühnngen der Arbeitgeberentgegenbringen, gab kürzlich eine Zeitungsnotiz ans Schlesien , wo dieVerwaltung eines dortigen Bergwerks die Arbeiter-AnSschüsse einführenwollte, die Arbeiter aber bei der Wahlhandlung davon gelaufen seien.Aehnliche Erfahrungen haben anfangs auch verschiedene Arbeitgeber deSMittweidaer Vereins gemacht, sich dadurch jedoch nicht abhalten lasse», dieArbeiter eines Besseren zn belehren und zwar mit vollsläiidigem Erfolg.Eine gleiche Beharrlichkeit erhoffe» wir a»ch vo» jener ober'chlesischen Berg-werksverwaltung; den» ei» solches Verhalten der Arbeiter wird jederdenkende Arbeitgeber nicht als einen Beweis für die Ueberflnssigkeit, sonder»umgekehrt für die dringende Nothwendigkeit ansehen, die so offen gelegteKluft zwischen Besitzern niid Ardeitern dnrch derartige Institutionen znüberbrücke», die absolut mangelnde Fühlung zwischen Beiden hcrznstelle».Wir erwarte» also vo» jenem Fall mir Anregung zu solche» Bestre-bungen; wer sich dadurch z»>» Zurücktreten bestimiiie» lasse» sollte, hat dieBedeutmig der Frage und die Aufgabe des Arbeitgebers nicht erkannt, oderer bemächtigt sich des Falles nur als Vorwand seiner Opposition gegen dieAusschüsse überhaupt.

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